Der Zahlungsabwickler Worldline ist ein Riese. Über 80 Prozent aller Schweizer Zahlungen werden über Worldline und seine Töchter abgewickelt. Das Unternehmen betreibt ein eigenes Kompetenzzentrum für «Crypto Related Products & Metaverse». Worldline-Expertin Riu Hang Seeberger skizzierte am Swiss Payment Forum die Chancen «auf dem bald stark wachsenden Marktplatz».

Erholung bei Kryptos und Stablecoins 

Ende 2021 habe der Kryptomarkt «die Schwelle von 3 Trillionen Dollar überschritten». Das war auch gleichzeitig der Peak. «Alle waren scharf auf Kryptos, doch dann kam der Crash», fasst Riu Hang Seeberger die Vergangenheit zusammen. Heute liegt das Volumen bei rund der Hälfte. Der Markt erholt sich langsam. Gemäss Statista wird der Umsatz mit Digital-Assets heuer etwa 53’000 Millionen Euro umfassen. Ein Wachstum von bis zu 16 Prozent in den kommenden Jahren liege dabei drin. Ganz dick dabei ist der Bitcoin, der einen Marktanteil von über 50 Prozent hält. Die Nummer zwei ist Ethereum mit 17 Prozent. Viele Stablecoins gewinnen als Zahlungsmittel an Bedeutung. 

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Bezahlen mit Kryptos: Interesse steigt

Wichtig ist in diesem Zusammenhang: Immer mehr Konsumenten und Konsumentinnen haben eine Wallet, immer mehr kaufen und benutzen Kryptowährungen und Stablecoins. «Für uns als Worldline ist das mit Blick auf unsere Händler natürlich essenziell», betonte Riu Hang Seeberger, «da sich für die Händler eine super Chance bietet, in einem wachsenden Markt Volumen zu generieren.» Neue Zielgruppen anzusprechen, sei das Gebot der Stunde. 

Kostengünstige Payment-Variante

Die Technologie ist sicher, schnell und äusserst kostengünstig. Kurzum: Kryptowährungen sind punkto Payments wettbewerbsfähig. «Kryptos sind ein sehr zukunftsorientiertes Zahlungsmittel», stellte die Wordline-Managerin am Swiss Payment Forum vor rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörern fest. 

Für Worldline sei es wichtig, im Payment-Bereich ein Gesamtportfolio abzudecken, meint Seeberger: «Alle Kanäle zu haben, ist uns wichtig. Kryptos wollen wir nicht isoliert anbieten.» Neben traditionellen Zahlungsmitteln wie Karten und Twint sind Kryptos daher voll integriert, inklusive tägliches Settlement (Zahlungsausgleich). 

Interessierte Händler seien daher schnell an Bord. Eine Zusatzvereinbarung bei Worldline reiche, so Seeberger. Das Spektrum der Währungen umfasst schon heute beim Zahlungsabwickler die wichtigsten Kryptowährungen wie Bitcoin, Bitcoin Lightning und Ether. Auch die führenden Stablecoins werden nun zusätzlich angeboten: USDC, USDT, XCHF. «Aus Sicht von Händlern und Kundschaft sind damit alle gut bedient», meinte die Worldline-Expertin.

Payment abwickeln per Tablet, Mobile, Terminal

Händler können ihr gewohntes Smart Device, ein Tablet oder Mobiltelefon nutzen, wenn sie im App Store oder bei Google Play die Worldline-Krypto-Payment-App herunterladen. «Schon bald werden mit unseren neuen tragbaren Terminals ebenfalls Kryptozahlungen möglich sein», stellt Seeberger in Aussicht. Falls ein Händler Android-Tablets nutzen wolle, sei dies auch machbar. 

E-Commerce-Lösung

Um nach eigenen Worten «für eine sichere und einfache Lösung des Krypto-Payments im E-Commerce-Bereich für Unternehmen zu realisieren», bietet Worldline gleich zwei Varianten an: Bei der Plug-in-Lösung, der Standard-Payment-Page, ist die Kryptobezahlung bereits inklusive. Bei grossen Händlern besteht zudem die Möglichkeit, das Payment voll in den Webshop zu integrieren.

Der Payment-Flow ist vergleichbar und ebenso unkompliziert wie bei anderen Wallets oder etwa Zahlungsmitteln wie Twint. Wenn eine Konsumentin mit Kryptos zahlen will, wird ein Share-Code gezeigt. In diesem Moment öffnet man die Krypto-Wallet, scannt und kommt zur nächsten Autorisierungsphase. «Alles in allem eine sichere Lösung, da alles integriert ist», resümiert Seeberger. Zudem gehe die Zahlung gleichzeitig oder innert einer Sekunde über die Bühne.

Über eine Plattform lässt sich der Kryptowert anschliessend in Fiat-Geld wie zum Beispiel Schweizer Franken wechseln. «Das bedeutet, der Betrag ist gesichert. Der Händler wird in Schweizer Franken ausbezahlt, hat also kein Risiko zu tragen. Unsere innovative Lösung bietet aus Händlersicht einen grossen Vorteil: Unternehmen können neue Zielgruppen ansprechen, deren Bedürfnisse abdecken, um so zusätzlichen Umsatz zu generieren», betont Riu Hang Seeberger. 

Metaverse als kommerzieller Kanal 

Die Worldline-Managerin ist nach Analysen überzeugt: «Metaverse wird der nächste kommerzielle Kanal sein.» In ihrem Urteil sieht sie sich durch eine McKinsey-Studie bestätigt, wonach das Metaverse bis 2030 einen Wert von 5 Billionen Dollar haben wird. Dabei sei nicht die Gaming-Community der Treiber für das Marktvolumen, sondern vielmehr virtuelle Shopperinnen und Shopper.

Aus- und Aufbau in virtuellen Räumen

Bei diesen Summen ist es nicht weiter verwunderlich, dass der Zahlungsabwickler (auf Englisch der Payment Service Provider, PSP) Worldline den abfahrenden Zug nicht verpassen will. Für die Händler wird die Eintrittstür in die virtuelle Wachstumswelt darum so weit offen wie möglich gehalten. Eine Strategie für das Metaverse zu entwickeln, sei wichtig für Händler: «Eine erste Präsenz aufbauen, erste Erfahrungen zu sammeln, einen Einblick zu bekommen, ist angezeigt», findet Seeberger.

Anzumerken ist allerdings: Ein einziges Metaverse gibt es nicht, sondern deren viele. Welche virtuelle Welt in der Gunst der Konsumentinnen und Konsumenten das Rennen macht, kann heute noch niemand wissen. Verschiedene Plattformen weibeln um Kundschaft, mit unterschiedlichen Businessmodellen und auf unterschiedliche Zielgruppen fokussiert.

Worldline hat eine Metaverse-Shopping-Hub entwickelt. Die Idee dahinter: Der Zahlungsabwickler bietet seinen Händlern und Partnern die Präsenz in allen Hubs auf allen Metaverse-Plattformen an. Am Swiss Payment Forum zeigt die Worldline-Managerin die neu geschaffene Shoppingmall auf Decentraland. Worldline-Händler können dort Filialen eröffnen, sich präsentieren und auch Waren verkaufen.

Für Decentraland habe man sich entschieden, da diese Plattform sehr niederschwellig und ohne zusätzliche Gadgets besucht werden kann – ein Login genügt. Anfang dieser Woche ging die zweite Version des Worldline-Auftritts online. Bereits im kommenden Jahr soll eine verbesserte und dritte Version aufgeschaltet werden. Händlern stehen vier unterschiedliche Packages von Worldline zur Verfügung, die einen modularen Auf- und Ausbau der Geschäftstätigkeit erlauben. «Wir wollen unseren Kunden und Partnern einen guten Einstieg ohne viele Fragen und Unsicherheiten ermöglichen», betont Seeberger.

Ganz uneigennützig ist diese Hilfe selbstredend nicht: Wordline schiebt so den Metaverse-Umsatz an und mischt auf den Plattformen von Anfang an mit. Übrigens, so ganz anders ist das neue virtuelle Shoppingparadies dann doch nicht. Wenn einem das Geld ausgeht, steht in der Worldline-Mall ein digitaler ATM bereit. Der Metaverse-Bankomat spuckt zwar keine Nötli aus, dafür Kryptos.