Die schwachen Zahlen hatten sich bereits abgezeichnet. So fielen die Tesla-Neuzulassungen in der Europäischen Union in den ersten beiden Monaten im Jahresvergleich um 49 Prozent auf gut 19'000 Wagen. In China gab es im März nach vorläufigen Zahlen ein Minus von mehr als elf Prozent. Tesla selbst macht keine Angaben zu Ergebnissen in einzelnen Regionen.

Generationswechsel beim Model Y

Wie stark einzelne Gründe zu dem Rückgang beitrugen, ist schwer festzumachen. Ein Faktor dürfte der Umstieg auf eine erneuerte Generation des Bestsellers Model Y sein.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Tesla rüstete Anfang des Jahres die Produktionslinien um. Dafür pausierte die Fertigung für einige Wochen. Zugleich war für Kaufinteressenten der Anreiz geringer, sich noch ein Fahrzeug der vorherigen Y-Variante zu kaufen. Es könne noch zwei Quartale dauern, bis dieser Effekt verdaut sei, schätzt Bryn Talkington von Requisite Capital Management.

Zugleich baute Tesla im vergangenen Quartal mit 362'615 Autos aller Modelle gut 16 Prozent weniger Wagen als ein Jahr zuvor.

Kontroversen um Musk

Ausserdem wurde in den vergangenen Monaten die Kritik an der politischen Rolle und den Ansichten von Musk immer lauter. Es gab Boykottaufrufe und erst am vergangenen Wochenende Protestaktionen an Tesla-Standorten in verschiedenen Ländern.

Der Tech-Milliardär wurde im vergangenen Jahr zu einem engen Verbündeten von Donald Trump, dem er mehr als 250 Millionen Dollar für den Wahlkampf ums Weisse Haus spendete. Als Präsident beauftrage Trump ihn mit der Senkung der Regierungsausgaben. In dieser Rolle löste Musk zahlreiche Kontroversen aus.

Tesla-Kaufshow am Weissen Haus

Musk galt über Jahre als die wichtigste treibende Kraft für Teslas Erfolg. Doch werden seine politischen Aktionen nun zu einer Belastung für den E-Autobauer. Bei Demonstrationen werden Teslas als «Nazi-Autos» beschimpft. Fahrzeuge wurden an Tesla-Auslieferungszentren angezündet und mit Parolen beschmiert.

Die US-Regierung stärkt Trumps Vertrautem Musk demonstrativ den Rücken. US-Justizministerin Pam Bondi drohte, Vandalismus gegen Tesla als inländischen Terrorismus einzustufen. Handelsminister Howard Lutnick rief dazu auf, Tesla-Aktien zu kaufen.

Trump selbst liess mehrere Teslas vor dem Weissen Haus auffahren und suchte sich davon ein rotes Model S zum Kauf aus. «Ich liebe Tesla!», verkündete der US-Präsident in einer ungewöhnlichen Werbeaktion.

Musk hofft auf Robotaxis und Roboter

Selbst beim Musk und Tesla wohlgesonnenen Branchenanalysten Dan Ives klingeln die Alarmglocken. Jetzt sei ein «Moment der Wahrheit» für Musk, sagte der Experte der Investmentfirma Wedbush jüngst im US-Wirtschaftssender CNBC. Musk müsse seine Kostensenker-Rolle und den Job als Tesla-Chef ins Gleichgewicht bringen - und dafür vielleicht im Weissen Haus etwas kürzertreten, legte ihm Ives nahe.

Derweil bekommen Teslas Wagen immer mehr Konkurrenz - insbesondere im wichtigen chinesischen Markt. Musk hält dagegen, dass autonomes Fahren und humanoide Roboter Tesla zum mit Abstand wertvollsten Unternehmen der Welt machen würden. Doch die Firma blieb bisher den Beweis schuldig, dass sie ohne menschliches Eingreifen verlässlich fahrende Autos bauen kann.

Aktienkurs auf Tauchfahrt

Die Kontroversen und die Zweifel an den Geschäftsaussichten nagen auch an dem Grundstein von Musks Einfluss: dem Tesla-Aktienkurs. Es ist vor allem seine Beteiligung an dem Elektroautobauer, die ihn zum mit Abstand reichsten Menschen der Welt macht - jedenfalls auf dem Papier.

Die Tesla-Aktie fiel in einer ersten Reaktion im vorbörslichen US-Handel um mehr als vier Prozent. Nach Trumps Wahlsieg im November hatte sich der Tesla-Kurs zeitweise verdoppelt. Jetzt notiert die Aktie wieder auf dem Niveau von Oktober.