Wie haben sich europäische Small und Mid Caps seit Anfang Jahr geschlagen, Stéphanie Bobtcheff?
Small und Mid Caps haben seit Anfang 2025 eine leicht unterdurchschnittliche Performance gegenüber Large Caps. Der Finanz- und der Verteidigungssektor dominieren die Märkte und machen derzeit den grössten Teil der Indexperformance aus. Diese beiden Sektoren machen 80 Prozent der Performance des MSCI Mid Cap Index aus.
Ausserdem weisen die Aktien mit der besten Performance innerhalb der Small und Mid Cap Indizes eine Marktkapitalisierung von weit über 10 Milliarden Dollar auf.
Ist das Minus bei der Performance im Vergleich zu Large Caps bereits aufgeholt? Oder besteht nach wie vor eine Underperformance?
Die Underperformance von Small Caps hielt zu Beginn des Jahres an. Heute, Ende März, wird der MSCI Small Cap mit einem Abschlag von 15 Prozent gegenüber dem Large Cap gehandelt. Dieses historisch sehr niedrige Niveau lässt Raum für eine deutliche Aufholjagd.
Wie beurteilt LFDE die Chancen für Small Mid Caps in den kommenden Monaten?
Der aktuelle Kontext ist eine Quelle der Volatilität; aber die attraktive Bewertung, die Stabilisierung der Ströme nach drei Jahren umfangreicher Rückkäufe, die fiskalische Stimulierungspolitik in Deutschland und eine entgegenkommendere EZB sind allesamt unterstützende Elemente. Es sollte auch beachtet werden, dass es langfristig eine starke Korrelation zwischen der Wertentwicklung einer Aktie und ihrer wirtschaftlichen Leistung gibt. Dies gilt für das gesamte Portfolio von Echiquier Agenor SRI Mid Cap Europe, der historischen Strategie von LFDE.
Gibt es Sektoren oder Länder, die positiv hervorstechen könnten?
Die Reichhaltigkeit des Portfolios ermöglicht eine grosse Branchenvielfalt. Aktuell ist der Industriesektor im Echiquier Agenor SRI Mid Cap Europe am stärksten vertreten. Wir sind auch besonders am Gesundheitswesen mit Biomérieux und DiaSorin sowie an der Technologie mit Scout 24 und VAT interessiert.
Geografisch sind wir in den nordischen Märkten, die Wachstumsmärkte sind, und in Italien, einem wichtigen Nährboden für Industrie- und Gesundheitsaktien, übergewichtet.
Sind Nebenwerte generell höherer Volatilität ausgesetzt, angesichts der Trumpschen Hochzollpolitik?
Small Caps sind stärker den europäischen Märkten ausgesetzt. Im Durchschnitt erwirtschaften sie 60 Prozent ihres Umsatzes in Europa, verglichen mit 36 Prozent bei europäischen Large Caps. Diese Anlageklasse ist auf dem US-Markt weniger präsent und daher weniger direkt von der Zollpolitik der Trump-Regierung betroffen.
Welche Auswirkungen erwarten Sie aufgrund der wohl fortschreitenden Zinssenkungen im europäischen Wirtschaftsraum?
Die relative Performance von Small Caps korreliert historisch gesehen weiterhin mit dem Trend der langfristigen Zinssätze. Wenn die Sichtbarkeit gering bleibt,
könnten die Aktienmärkte in einem Umfeld stabilisierter Zinssätze den Fundamentaldaten wieder Vorrang einräumen. In dieser Hinsicht sind die Märkte für Small und Mid Caps aufgrund ihrer stark gestreuten Performance ein bemerkenswerter Nährboden.
Die Aussichten auf ein höheres Gewinnwachstum bei Small und Mid Caps in Verbindung mit der Fortsetzung des geldpolitischen Lockerungszyklus dürften zu einer anhaltenden Belebung des Interesses führen.
(Das Interview wurde schriftlich geführt.)
La Financière de l’Échiquier (LFDE) ist eine der führenden Asset-Management-Gesellschaften in Frankreich. Das Unternehmen wurde 1991 gegründet und ist seit Juli 2023 eine Tochtergesellschaft von LBP AM.
LFDE verwaltet ein Vermögen von rund 27 Milliarden Euro, beschäftigt über 170 Mitarbeiter und vertreibt seine Fonds neben Frankreich auch in den Benelux-Ländern, Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz, Portugal und Spanien.
Stéphanie Bobtcheff ist Managerin des Fonds Echiquier Agenor SRI Mid Cap bei La Financière de l' Échiquier. (pd/ajm)