Es ist dem puren Zufall geschuldet, dass die aus Bonn stammende Martina Müller-Kamp mitsamt der Familie heute in Chur lebt und arbeitet. In der ehemaligen deutsche Hauptstadt ist sie aufgewachsen, hat nach dem Abitur Volkswirtschaft studiert und danach ihre erste Stelle als Senior Portfolio Manager in der Lampe Asset Management GmbH angetreten, einer Tochtergesellschaft des örtlichen Bankhauses Lampe. «Wir waren eine kleine Einheit, und mein damaliger Chef war noch sehr jung. Ich hatte das Gefühl, dass es dort nicht weitergehen würde für mich, und so beschloss ich, mich mal etwas umzuschauen», erinnert sich die heute 54-Jährige. Just in dieser Zeit suchte ein Headhunter sie auf, im Gepäck ein Angebot der liechtensteinischen VP Bank. 

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«Ehrlich gesagt, ich wusste so gut wie nichts über Liechtenstein», gesteht sie. Sie suchte das Fürstentum auf der Landkarte und fuhr zu einem ersten Gespräch ins Ländle – mitsamt Mann und den beiden Söhnen im Alter von zwei und sechs Jahren. «Der Grosse stand damals vor der Einschulung, von daher war es der ideale Zeitpunkt für den Umzug in ein anderes Land», erinnert sie sich. Und so siedelte Familie Müller-Kamp nach Liechtenstein und von dort wechselte sie ein gutes Jahr später noch mal über die Rheinebene nach Chur, wo Martina Müller-Kamp ihre erste Stelle bei der Graubündner Kantonalbank (GKB) als Leiterin des Assetmanagements antrat. «Das war der Sechser im Lotto für mich», sagt sie rückblickend.

Doch es war nicht alles Sonnenschein, denn rasch stellten die Eheleute Müller-Kamp fest, dass sie in der Schweiz ihr bisheriges Lebensmodell nicht so einfach weiterführen konnten. Vor dem Umzug hatte sie Vollzeit gearbeitet, während ihr Mann zugunsten der Familie mit einem reduzierten Pensum arbeitete, und die übrige Zeit waren die Kinder in der Kita. «Die Fremdbetreuung der Kinder konnten wir damals, wir wohnten eher ländlich in der Region Maienfeld, so nicht umsetzen», erinnert sich Martina Müller-Kamp. Daher blieb ihr Mann die ersten Jahre zu Hause und kümmerte sich um Kinder und Haushalt, damit sie sich auf ihren Job bei der Graubündner Kantonalbank konzentrieren konnte. 

Dort arbeitet sie nunmehr seit fast 16 Jahren. «Die Werte und die Kultur im Unternehmen stimmen mit meinen überein, ich mag die Integrität der Kolleginnen und Kollegen und dass keine politischen Spielchen gespielt werden», erklärt sie ihre Loyalität zur Kantonalbank, wo sie heute eines von fünf Mitgliedern der Geschäftsleitung ist – als einzige Frau, was nicht immer einfach sein dürfte: «Manchmal ticken wir Frauen einfach anders und werten Dinge ganz anders, und es ist schwierig, dieses Andersdenken dann in einem von Männern dominierten Gremium verständlich darzulegen», sagt sie schmunzelnd. Aber Nachteile aufgrund ihres Geschlechts habe sie in ihrer ganzen Karriere nie gespürt. «Im Gegenteil, manchmal hatte ich sogar das Gefühl, mir wurde als Frau der rote Teppich ausgerollt», gesteht sie. 

Nebst der strategischen Arbeit in der Geschäftsleitung zeichnet Martina Müller-Kamp als Marktverantwortliche für alle Produkte und Dienstleistungen verantwortlich, die die GKB ihren Kunden in den Bereichen Anlegen, Finanzieren und Vorsorge bereitstellt. Dafür leitet sie fünf Teams und ist Vorgesetzte von 140 Mitarbeitenden. «Das Fachliche ist auf der Ebene weniger relevant als das Menschliche», erklärt sie, die ihren Führungsstil als «Servant Leadership» bezeichnet. «Mir geht es vor allem darum, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich die Mitarbeitenden bestmöglich entwickeln können», sagt sie. Denn es ginge darum, die Menschen ihren Fähigkeiten entsprechend an den passenden Orten einzusetzen, sie für ihre Arbeit zu begeistern und so die Teams zu Höchstleistungen anzuspornen. 

Solche braucht Martina Müller-Kamp in ihrer Freizeit indes nicht. Um sich zu regenerieren, geht sie es eher locker an. «Ich ziehe meine Energie aus vielen Dingen, die ich einfach gerne mache, wie Wandern, Skifahren, Kochen oder, seitdem die Kinder gross sind, auch mal wieder in Ruhe ein Buch zu lesen – aber alles nach Lust und Laune und ohne jegliche Ambition auf Rekorde», sagt sie. Bei dieser Einstellung schimmert vielleicht das eher gemütliche Naturell der geborenen Rheinländerin durch. 

In ihrer alten Heimat in Bonn ist Martina Müller-Kamp heute noch häufig bei der Familie des Bruders, der Schwester oder bei den Eltern zu Gast. Alle Geschwister sind hervorragend ausgebildet, weil das den Eltern sehr wichtig war. Nicht, weil sie dem Bildungsbürgertum angehörten, sondern im Gegenteil: weil die Umstände der Nachkriegszeit es ihnen selbst verunmöglicht hatten, eine höhere Ausbildung zu absolvieren. Daher lautete das Credo im Hause Kamp: «Unsere Kinder sollen es einmal besser haben und dafür die bestmögliche Ausbildung bekommen.» 

Steckbrief: Martina Müller-Kamp

Funktion: Mitglied der Geschäftsleitung, Leiterin Geschäftseinheit Marktleistungen
Jahrgang: 1970
Familie: zwei Kinder
Ausbildung: Doktor der Volkswirtschaft
Karriere: 1999 Senior Economist, Bankhaus Lampe, Düsseldorf; 2001 Senior Portfolio Manager, Lampe Asset Management GmbH, Düsseldorf; 2007 Asset Allocation Strategist Fixed Income, Leiterin der Abteilung Investment Tactics, VP Bank, Vaduz; 2008 Eintritt GKB, Leiterin Asset Management; 2015 Leiterin Investment Center; seit 1.10.2019 Mitglied der Geschäftsleitung
Unternehmen: Die Graubündner Kantonalbank bietet alles, was eine moderne Universalbank ausmacht – für Privatpersonen, die Wirtschaft und die öffentliche Hand. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Chur ist an über vierzig Standorten in Graubünden vertreten. Mit rund 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die GKB eine der grössten Arbeitgeberinnen im Kanton. Ihre Verbundenheit mit Graubünden bringt sie auf vielfältige Weise zum Ausdruck. Nebst ihren wirtschaftlichen Aktivitäten engagiert sie sich über ihr Sponsoring, ihren Beitragsfonds sowie über ihre Freiwilligenarbeit.