Der Chef der grössten US-Bank warnt derweil vor «zu hohen» Kapitalanforderungen an Banken als Reaktion auf die Krise. «Bei der Credit Suisse wie bei der Silicon Valley Bank war Kapital nicht das Problem», sagte Dimon in Interviews mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) und L’Agefi vom Mittwoch.

Die Schweiz habe keine Wahl als die Notfusion der CS mit der UBS gehabt, bekräftigte Dimon in den Interviews. Er kenne zwar nicht auch alle Optionen, die auf dem Tisch lagen: im Grunde sei die CS-Übernahme aber bloss eine «andere Form der Abwicklung» gewesen.

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Auch wenn er sich für JPMorgan keine Sorgen gemacht habe, sei das Scheitern der Credit Suisse (CS) schlecht für alle Banken gewesen, betonte Dimon: «Das Ende der Credit Suisse und der kurz zuvor erfolgte Konkurs der Silicon Valley Bank stellten die Sicherheit und die Solidität des Bankensektors in Frage.»

Konkurs muss möglich werden

Natürlich gebe es Lehren aus dem CS-Scheitern und der US-Regionalbankenkrise zu ziehen, bekräftigte Dimon. Er erachte aber den «Hyperfokus auf das Kapital und auch auf die Governance» als fehlgeleitet. So hätten zu hohe Kapitalanforderungen negative Folgen.

Es brauche aber ein System, in dem die Banken Konkurs gehen könnten, betonte Dimon. Pläne zur Abwicklung von Grossbanken würden allerdings wohl nie wie vorgesehen funktionieren und wohl auch nicht zur Anwendung kommen, wenn es ein Problem gebe, räumte er ein. «Im Notfall funktionieren werden das Bail-in-Kapital, die AT1-Bonds und die Liquiditätsmassnahmen.»

Der JPMorgan-Chef stärkte auch seinen Konkurrenten der UBS den Rücken. Der Schweizer Finanzplatz sollte einen grossen nationalen Champion haben: «Ich würde das wollen, wenn ich in der Regierung sässe.» Die Expertise, die es hier im Finanzbereich gebe, bleibe damit bestehen.

Fed sollte abwarten

Von der US-Notenbank Fed wünscht sich Dimon, dass diese mit einer Leitzinssenkung weiter abwartet. Zwar bewege sich die Inflation in den US in die richtige Richtung. Es gebe aber gute Gründe, warum die Inflation künftig wieder steigen könnte: «Die zunehmenden Staatsausgaben, die Remilitarisierung der Welt, die enormen Investitionen in die grüne Wirtschaft, die neuen Handelsstrukturen.»

In der Schweiz, wo sich Dimon anlässlich der 60-jährigen Präsenz der US-Bank aufhält, will JPMorgan nicht zuletzt im Firmenkundengeschäft vorwärts machen. Man habe diese Aktivität 2021 gestartet. «Derzeit haben wir alleine in diesem Segment rund 80 Kunden und die Zahl steigt an», sagte der JPMorgan-Chef. (awp/hzb/ps)

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