Sika ist unter Fondsmanagern als Compounder bekannt. Das sind Aktien, die ihre Cashflows geschickt reinvestieren und ihren Wert so auf wunderbare Weise immer weiter vermehren. Doch das Sika-Wunder hat eine Pause eingelegt. Vom 21. März 2024 bis zum 21. März 2025 brach der Kurs der Sika-Aktie um 16,5 Prozent ein. In derselben Zeit legte der SMI zwölf Prozent zu. Die Aktie des Baustoffriesen Saint-Gobain befindet sich auf Jahressicht 41 Prozent im Plus. «Internationale Investoren haben statt Sika Aktien von Saint-Gobain gekauft. Da erhalten sie eine ähnliche Wachstumsrate für eine tiefere Bewertung», sagt Berenberg-Analyst Patrick Laager. Die organischen Wachstumsraten von Sika waren 2023 und 2024 deutlich tiefer als im langjährigen Schnitt. Im Vorjahr kam der Bauchemiekonzern beim Umsatz kaum vom Fleck. «Die Investoren verlangen mehr Wachstum. 1,1 Prozent sind ihnen nicht genug», sagt Laager. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei sportlichen 29. Die von Benoît Bazin geführte Saint-Gobain weist ein KGV von 17 aus.
Wenig gefiel Investoren laut Laager, wie die grösste Akquisition der Sika-Geschichte gelaufen ist: Um für den Kauf der BASF-Tochter MBCC grünes Licht zu bekommen, musste sich Sika-Chef Thomas Hasler vom attraktiven Zusatzmittelgeschäft trennen. «Die Investoren wollen Sika als erfolgreiche M&A-Maschine, die mittelgrosse Firmen kauft und sich nicht mit den Kartellbehörden herumschlagen muss», sagt Laager.
Schwer tut sich Hasler nach wie vor auf dem wichtigen chinesischen Markt. «China ist eine Katastrophe, das wird sich auch nicht so schnell ändern», weiss Laager. Nachdem das Projektgeschäft schon länger harzig gelaufen sei, habe sich nun auch das grössere Retail- und Distributionsbusiness abgeschwächt. Auch Donald Trump bremst. «In den USA ist die Pipeline an neuen Projekten vielversprechend, doch kurzfristig könnte die erratische Zollpolitik der US-Regierung Projekte verzögern», sagt Thomas Funk, Portfoliomanager für Schweizer Aktien bei GAM.
Sika-Chef Thomas Hasler muss mehr Wachstum liefern.
Grundsätzlich gäbe es für Sika genügend Potenzial. In Europa bestehe grosser Renovierungsbedarf. Das Investitionspaket in Deutschland könne laut Funk Investitionen auf staatlicher und privater Seite auslösen. Auch der Wiederaufbau in der Ukraine wäre eine Chance. Laut Laager kann Sika dort schnell Produktionskapazitäten aufbauen. Insgesamt sieht der Analyst Sika «mittelfristig bestens positioniert». Doch Investoren blenden die Chancen aus. Der Kurs hat weder auf das deutsche Investitionspaket noch auf die Verhandlungen in der Ukraine reagiert. «Das zeigt, wie skeptisch die Investoren sind. Sika hat derzeit Mühe, bei Investoren gut anzukommen», sagt Laager.