Gary Nagle, CEO des Rohstoffriesen Glencore, hat schon bessere Zeiten gekannt: Der Kurs des Unternehmens ist abgestürzt, der Gewinn eingebrochen, die Strategie des Konzerns wirkt nach einem Zickzackkurs diffus, Konsolidierungsgelüste in der Branche bringen ihn in Zugzwang. Wäre dies allein schon Herausforderung genug, muss sich der 50-jährige Südafrikaner, der im Juli 2021 seinen langjährigen Vorgänger Ivan Glasenberg als Chef des Zuger Rohstoffkonzerns beerbt hat, auch noch mit dem Abgang von Schlüsselkräften im Bereich Metallhandel herumschlagen – die Konkurrenz tritt an, den Platzhirsch vom Sockel zu stossen.

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Wie «Bloomberg News» Mitte Januar berichtete, wechseln zwei Toptrader aus dem Aluminium-Departement von Glencore zur Konkurrenz, der eine, Steven Rojas, geht zu Mercuria, der andere, Sam Imfeld, zu Vitol. Das Ganze scheint Teil eines grösseren Plans der Konkurrenz zu sein, das Revier in der Rohstoffbranche neu abzustecken. Vor allem Mercuria hat stark aufgerüstet: Seit Juli letzten Jahres wurde das Team im Metallhandel mehr als verdoppelt, mittels einer gezielten und laut «Bloomberg News» auch «aggressiven» Abwerbungskampagne, in deren Folge rund 40 Metalltrader neu zu Mercuria stiessen – rund ein Viertel des Teams besteht heute alleine aus ehemaligen Glencore-Leuten. Vitol wiederum hat letztes Jahr mehrere Mitglieder des Eisenerzteams von Glencore zu sich gelockt, und auch die ebenfalls in Genf ansässige Gunvor Group mischt im Spiel um gute Leute forsch mit: Laut Ivan Petev, Leiter des Metallteams von Gunvor, ist der Aufbau eines Office in Zug geplant, um die Metallhandelsaktivitäten des Unternehmens zu erweitern. Damit setzt sich Gunvor quasi in den Vorgarten der in Baar ansässigen Glencore – ein starkes Zeichen.