«Ich bin fix und fertig – was für eine katastrophale Woche. Mein Kopf hämmert!» Peter Tuchman (67) will am Freitagabend nur noch ins Bett, als die Handelszeitung ihn erreicht. Die Trading-Legende der New Yorker Börse mit dem Übernamen «Einstein» ist geschockt. Die dramatische Börsenwoche an der Wall Street hat Spuren hinterlassen.
«Das ist ein globaler Mega-Ausverkauf, einfach unglaublich», sagt Tuchman im Gespräch mit der Handelszeitung. Kurz zuvor ist die New Yorker Börse abermals mit einem fetten Minus aus dem Handel gegangen: Der Leitindex Dow Jones verlor 2200 Punkte und rutschte um 5,5 Prozent ab. Bereits am Vortag verzeichnete die US-Börse den schlimmsten Tag seit Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020.
Am Schluss der Woche ist das Fazit historisch: Es war die drittschlimmste US-Börsenwoche seit der Jahrtausendwende. Auch die Schweiz bleibt nicht verschont: Der SMI verlor in fünf Tagen 8,5 Prozent – die gesamten Jahresgewinne sind auf einen Schlag ausradiert. Und das alles wegen Donald Trumps (78) globalem Zollhammer, den er am Mittwoch ausgepackt hat.
«Die Menschen leiden»
«Ich verstehe nicht, was der Präsident mit diesen Zöllen erreichen will. Es macht keinen Sinn. Der Markt leidet, die Menschen leiden deswegen», sagt Tuchman. «Wir sprechen hier von Billionen von US-Dollar, die innerhalb von Stunden vernichtet worden sind. Wir haben in den letzten fünf Jahren wirklich hart gearbeitet, um nach Corona wieder hierhin zu kommen. Und Trump killt das. Es ist crazy. Wegen seiner Politik sind alle Gewinne ausradiert.»
Tuchman hat schon viele Krisen an der New Yorker Wall Street hautnah miterlebt. 1985 nahm der heute 67-Jährige einen Sommerjob am Fernschreiber an, einer Mischung aus Schreibmaschine und Telegraf, und arbeitete sich von ganz unten zum unabhängigen Broker hoch. Heute ist er an der Wall Street eine Legende. Blick hat ihn 2019 in New York besucht. Damals lancierte Trump neue Strafzölle gegen China – und Tuchman sagte zu Blick: «An diesen Tagen schlägt mein Herz höher.»
«Schaut euch das Portfolio nicht an»
Heute sagt Tuchman: «Ich habe den Crash von 1987, die Internetblase 2001, die Finanzkrise 2007/08 und den Corona-Crash miterlebt. Aber was diese Woche passiert ist, ist einfach nur verrückt.» Das einzige, was sich bei allen Crashs ähnelt, ist der Fakt, dass die Aktienkurse davor in Rekordhöhe waren.
Tuchmans Ratschlag für die Kleinanleger: «Schauen Sie das Portfolio übers Wochenende nicht an. Sie können jetzt nichts mehr tun.» Und wie gehts am Montag weiter? Die Börsenlegende will sich nun erst mal erholen, wie er sagt. Und blickt dann doch in die nahe Zukunft. «Ich weiss nicht, ob das vorbei ist. Ich hoffe es sehr.»