Bären jammern, dass die von US-Präsident Donald Trump angedrohten «Billionen» an Zöllen den Welthandel beeinträchtigen und die Aktienkurse sinken lassen werden. Viele befürchten, der Ausverkauf der globalen Aktien seit Mitte Februar – parallel zu einer Korrektur des S&P 500 in USD – signalisiere einen noch schlimmeren, zollbedingten Absturz in der Zukunft. Nein. Lassen Sie mich erklären, warum.

Vor dem Hintergrund des Zollterrors befürchten die Amerikaner, dass europäische und globale Exporteure die Zölle an die US-Verbraucher weitergeben und so die heisse Inflation von 2022 und 2023 wieder aufflammen lassen. Dies würde die US-Notenbank daran hindern, die Zinssätze zu senken, während gleichzeitig der Konsum und das Wachstum gedrosselt werden. 

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Ausserhalb der USA befürchten viele, dass sie die Zölle nicht weitergeben können, was zu sinkenden Gewinnspannen und Exporten führt. Gefahr! Solche Befürchtungen veranlassen das Seco, jetzt die US-Handelsgespräche fortzusetzen.

So weit die Theorie. Zölle sind nicht gut! Sie führen zu Handelshemmnissen, schaffen Gewinner und Verlierer und können die Nachfrage kontraproduktiv lenken. Die Realität ist jedoch differenzierter.

Der Gastautor

Ken Fisher ist Gründer und Executive Chairman von Fisher Investments, einer Vermögensverwaltungsfirma mit Niederlassungen weltweit, die über 299 Milliarden Dollar verwaltet. Fisher zählt zu den einflussreichsten (und auch reichsten) Investmentmanagern der USA.

Denken Sie an Trumps erste Amtszeit. Ähnliche Argumente verursachten 2018 und 2019 Panik. Die Inflation stieg jedoch erst 2021 an. Und das lag an den Ausgangssperren in der Covid-Ära, Lieferkettenproblemen und dem globalen geldpolitischen Wahnsinn – nicht an den Zöllen.

Wachstum? Das BIP der USA stieg 2017 um 2,5 Prozent – vor den Zöllen. Danach? 3,0 Prozent im Jahr 2018 und 2,6 Prozent im Jahr 2019. Normale Schwankungen. Das globale BIP spiegelte dies wider – mit einem Wachstum von 3,5 Prozent im Jahr 2017, 3,3 Prozent im Jahr 2018 und 2,7 Prozent im Jahr 2019. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle waren nicht enorm.

Warum? Nichtuniverselle Zölle lassen sich leicht umgehen. Es werden immer Umgehungslösungen gefunden – wie der Warenumschlag chinesischer Firmen über Vietnam oder das «Nearshoring» in Mexiko.

Viele sagen, Trumps Zölle in seiner zweiten Amtszeit werden die in der ersten Amtszeit bei weitem übertreffen. Vielleicht. Bisher hat Trump Zölle in Höhe von 20 Prozent auf alle chinesischen Waren, 25 Prozent auf alle Stahl- und Aluminiumprodukte und 25 Prozent auf einige kanadische und mexikanische Waren eingeführt (während kanadische Energieerzeugnisse mit Abgaben in Höhe von 10 Prozent belegt werden).

Andere Zölle – wie Trumps 25-Prozent-Pharmazoll-Diskussion und die von Schweizer Firmen ins Auge gefassten «gegenseitigen» Zölle – sind entweder angedroht oder werden noch geprüft. Könnten sie eingeführt werden? Sicher. Aber bisher würden alle neu angekündigten US-Zölle, wenn sie vollständig erhoben würden, insgesamt nur maximal 0,75 Prozent des US-BIP ausmachen – ohne Umgehung.

Amerikas Handelspartner? Für China, Mexiko und Kanada belaufen sich die Zahlungen für neu eingeführte Zölle, wenn sie nicht umgangen werden, auf insgesamt 200 Milliarden US-Dollar (176 Milliarden Schweizer Franken). Das klingt nach viel! Aber relativieren Sie es. Diese Summe entspricht 0,5 Prozent des chinesischen BIP im Jahr 2024, 2,2 Prozent des kanadischen und 3,4 Prozent des mexikanischen. Schlecht! Aber nicht katastrophal. Noch einmal: Dies sind Maximalwerte, Umgehungen nicht eingerechnet.

Zudem, wie ich in meiner Prognose für 2025 feststellte, belasten Zölle Waren – keine Dienstleistungen. Weltweit dominieren Dienstleistungen. Sie machen 72 Prozent des Schweizer BIP und 62 Prozent des weltweiten BIP aus. Dennoch gibt es jede Menge Zollterror! Die OECD hat gerade die globalen Wachstumsprognosen gekürzt und dabei vor allem Trumps Zölle angeführt.

Wie ich bereits im Februar sagte, könnten die Zölle nicht von Dauer sein. Trump nutzt sie oft als Druckmittel – nicht als Protektionismus. Zolldrohungen könnten sich in Luft auflösen, wenn sich Geschäfte abzeichnen.

Und das ganze Gerede über universelle Zölle? Wird nicht passieren – dafür müsste der amerikanische Kongress handeln. Der historisch geringe Vorsprung der Republikaner von zwei Sitzen im Unterhaus ist viel zu gering. Wenn Trump es ohne den Kongress versuchen würde, wäre er schneller vor dem Obersten Gerichtshof als Sie diese Kolumne lesen können. Trump schneidet vor Gericht nie gut ab. 

Die Diskussion über Zölle klingt beängstigend. Aber Angst auf dem Markt ist immer bullish. Der Anstieg des SPI um 11,7 Prozent seit Jahresbeginn zeigt dies. Erwarten Sie mehr, denn die starke Erleichterung über den Zollterror treibt die globalen Aktien im Jahr 2025 in die Höhe.