Die Berenberg-Analysten warnen jedoch davor, dass die Ausweitung von alternativem Kapital und das Interesse institutioneller Anleger wie Pensionsfonds diesen Trend verhindern könnten.

In Gesprächen mit Investorenkunden hat das Berenberg-Analystenteam «die Ansicht erörtert, dass die Rückversicherung kurz vor einem Megatrend mit nachhaltigem Gewinnwachstum steht, der die übliche Zyklizität in diesem Sektor überschattet.»

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Als Triebkräfte für diesen potenziellen Megatrend in der Rückversicherung werden die «oligopolistische Struktur» des Sektors und die steigenden Eintrittsbarrieren in Bezug auf das erforderliche Mindestrisikokapital genannt.

Hinzu kommen die zunehmende Belastung durch Naturkatastrophen in den letzten zehn Jahren sowie die Verluste aus ehemals als zweitrangig angesehenen Gefahren wie Waldbränden, wie das jüngste Ereignis in Kalifornien gezeigt hat.

Zuvor hatte das Berenberg-Analystenteam erklärt, dass die Waldbrände in Kalifornien zu einer Festigung der Rückversicherungspreise führen könnten, da das Ausmass der Schäden, mit denen die globale Versicherungs- und Rückversicherungsbranche konfrontiert ist, sowohl erheblich als auch genügend unerwartet  sein könnte, um zu einer gewissen Marktstörung und Kapitalerosion zu führen.

Zu den steigenden Katastrophenschäden hatten die Berenberg-Analysten bereits früher gesagt, dass diese nun überschüssiges Kapital aus dem Rückversicherungssystem absorbieren.

Auch wenn die vollständigen finanziellen Auswirkungen der Waldbrände noch ungewiss sind und die Schadensschätzungen der Versicherungsbranche immer noch eine besonders grosse Bandbreite aufweisen, die von etwa 30 Mrd. bis zu 50 Mrd. Dollar reicht, ist klar, dass dies ein besonders bedeutsames Ereignis für den Sektor war und möglicherweise die Ansichten des Sektors über Naturkatastrophenrisiken (zumindest für diese Gefahr) verändern wird.

Ob die Auswirkungen auf das Kapital und die Risikobereitschaft so gravierend sind, dass sie zu einer deutlichen Verschärfung führen, bleibt ungewiss. Ungewiss ist auch, wann sich die Auswirkungen bemerkbar machen werden, d. h. bei welchen Erneuerungen, und ob die Brände einen Spillover-Effekt auf die Erneuerungen von Rückversicherungsverträgen in anderen Regionen der Welt als den USA und Kalifornien haben könnten.

Allgemein wird derzeit davon ausgegangen, dass die Erneuerung der Rückversicherung in den USA zur Jahresmitte ähnlichen Trends folgen wird wie im Januar, d.h. in einem Bereich von stabil bis leicht abgeschwächt (allerdings mit einigen Ausreissern, die von Katastrophenschäden betroffen sind), wobei die Bedingungen jedoch weiterhin relativ stabil bleiben werden.

Nach Ansicht der Berenberg-Analysten besteht die Chance, dass die Branche in Bezug auf Preise und Bedingungen weiterhin diszipliniert bleibt, was in Bezug auf die Erträge die wichtigste Triebkraft für jeden kommenden Megatrend in der Rückversicherung wäre.

Die Risikoadäquanz der Raten für den Einsatz von Rückversicherungskapital wird nach den Bränden sicherlich stärker in den Mittelpunkt rücken, und dies dürfte angesichts der erwarteten stetigen Abschwächung des Marktes für Entschlossenheit sorgen.

Die Frage ist, ob die Disziplin den Appetit des Marktes auf eine fortgesetzte Expansion im Bereich der Sachkatastrophenrisiken überwiegen kann, da die Tarife nach wie vor auf einem historisch attraktiven Niveau liegen und die strengeren Anlagebedingungen den ständigen Wunsch nach Wachstum fördern.

Das Analystenteam von Berenberg stellt fest: «Zu den Risiken für unsere Ansicht gehören die zunehmende Rolle nordamerikanischer Pensionsfonds bei der Bereitstellung von alternativem Kapital, die im ersten Halbjahr 2024 113 Mrd. USD des Gesamtkapitals des Rückversicherungssektors von 760 Mrd. USD ausmachten (Quelle: Gallagher), sowie die übliche Zyklizität des Sektors mit einem Preisrückgang auf risikobereinigter Basis von schätzungsweise ca. 2,5 % bei den Erneuerungen im Januar 2025.»

Ein Rückgang der Rückversicherungspreise um ca. 2,5 % zum 1. Januar 2025 war sicherlich nicht genug, um den Appetit zu zügeln. Es scheint also, dass das Berenberg-Team einmal mehr alternative Kapitalgeber und Investoren in Insurance-Linked Securities (ILS) als Hauptrisiko für den sich abzeichnenden Megatrend der Rückversicherungsrentabilität sieht. (Reinsurance News/hzi/ps)

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Andrea Hohendahl, Chefredaktor von HZ Insurance, und sein Versicherungsexpertenteam liefern Ihnen die Hintergründe zu Themen, welche die nationale und internationale Versicherungswelt bewegen. Jeden Tag (werktäglich) in Ihrem E-Mail-Postfach. Jetzt kostenlos zum Newsupdate für Insurance-Professionals anmelden.
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