Herr Tedeschi, Livica ist eine vergleichsweise junge Stiftung – wie positionieren Sie sich gegenüber etablierten Playern?

Livica hebt sich durch drei Merkmale von den anderen ab: Erstens werfen wir nicht alle Versicherten in den gleichen Topf und verschleiern mit Quersubventionen die tatsächlichen Leistungen. Zweitens sind unsere Verwaltungskosten dank Effizienz und Digitalisierung sehr viel tiefer als bei den meisten Marktbegleitern. Und drittens bieten wir als unabhängiger Anbieter massgeschneiderte Vorsorgekonzepte mit einem überdurchschnittlichen Mass an Sicherheit. 

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Zur Autorin

Karin Bosshard war bis Ende Februar 2025 Chefredaktorin von HZ Insurance.

Unsere agile Form als kleine, spätgeborene Sammelstiftung bietet uns den Vorteil, schneller und individueller zu handeln. Wir haben und wollen keine vorgefertigten Retortenlösungen, sondern finden immer die passende Antwort auf spezifische Kundenbedürfnisse. 

Welchen Einfluss hat der demografische Wandel auf Ihre Produktgestaltung?

Geburtenrate, Lebenserwartung, Zuwanderung und Alterung erfordern umfassende gesellschaftliche Anpassungen und politische Weichenstellungen. Das ist nicht die Aufgabe der Livica. Aber es ist unsere Pflicht, die Versprechen gegenüber unseren Versicherten und Kunden einzuhalten. Für die Versicherten und Rentner heisst das eine 100%ige Absicherung der Leistungen durch ein risikogerechtes Anlagekonzept. Für unsere Kunden bedeutet das zum Beispiel keine Nachschusspflicht, auch nicht für Bestände mit hohem Rentenanteil. 

Wie sehen Sie die Zukunft der beruflichen Vorsorge in der Schweiz?

Wir müssen immer mehr Renten über einen längeren Zeitraum finanzieren. Dies bei abnehmender Verzinsung, wachsender Regulierung und Lücken bei tieferen Einkommen. Um den künftigen Anforderungen gerecht zu werden, müssen wir die Chancen von künstlicher Intelligenz nutzen. Die Vorsorge muss flexibilisiert und individualisiert werden. Massenabfertigungen und Pauschallösungen sind genau das Gegenteil, was die Rentner der Zukunft wollen. Livica setzt auf die Kompetenz seiner Mitarbeitenden und den Einsatz von Simulationstools für Prognosen in allen nur erdenklichen Varianten. 

Nachhaltige Investments sind im Trend – welche Strategien verfolgt Livica in diesem Bereich?

Die Integration von ESG-Kriterien in die Anlagestrategien wird immer wichtiger. Pensionskassen stehen unter Druck, nachhaltige Investments zu tätigen, um gesellschaftlichen Erwartungen und gesetzlichen Vorgaben gerecht zu werden. Dabei gilt es, die Balance zwischen den Bedürfnissen der heute Versicherten und zukünftiger Generationen zu finden.

Nachhaltigkeit ist für Livica Bestandteil unserer Anlagestrategie. Wir wollen Verantwortung übernehmen und unseren Kunden mit gutem Beispiel vorausgehen. Schlussendlich liegt die Verantwortung für die konkrete Umsetzung bei den Vorsorgekommissionen der angeschlossenen Unternehmen. Aber wir wollen im Dialog mit den Anlageentscheidern und Versicherten die Vorteile nachhaltiger Anlagen – wie langfristige Stabilität, Risikominimierung und positive gesellschaftliche Wirkung – aufzeigen.
Das Vorsorgewerk der Mitarbeitenden von Livica hat einen beträchtlichen Teil seines Vermögens in einem Aktien-Welt-Fonds investiert, der strenge ESG-Kriterien erfüllt und eine klare Ausrichtung auf nachhaltiges Wirtschaften verfolgt. Dies unterstreicht, dass wir Nachhaltigkeit nicht nur predigen, sondern auch selbst aktiv umsetzen.

Wie begegnen Sie der wachsenden Komplexität regulatorischer Anforderungen?

Ein proaktiver Ansatz ist entscheidend, um regulatorische Änderungen frühzeitig zu erkennen und zu adressieren. Unsere Experten stehen im Dialog mit Behörden und Branchenverbänden. Darüber hinaus haben wir klar definierte Verantwortlichkeiten für Compliance auf allen Ebenen und setzen auf Regulatory Technology, um die wachsenden Anforderungen effizient zu erfüllen. 

Welche digitalen Services bietet Livica, und wie planen Sie, diese auszubauen?

Unser Online-Portal ist das Kernstück unserer digitalen Strategie. Es bietet den Versicherten umfassenden Zugang zu ihrer Vorsorgesituation, einschliesslich Simulations- und Steuerberechnungstools. 

In Zukunft wollen wir diesen Bereich weiter ausbauen. Mit einem Rechner für Versicherungsvermittler können diese künftig einfach und unverbindlich eine Offerte berechnen. Gleichzeitig können sie Vergleichsofferten für ihre Bestandeskunden oder Neuofferten für Interessenten direkt selbst erstellen.
Längerfristig werden – wie bei verschiedensten Dienstleistern bereits im Einsatz – Tools zur KI-gestützten Beratung ein Thema.

Was sind die häufigsten Fragen oder Anliegen Ihrer Versicherten, und wie adressieren Sie diese?

Die Berechnung der Altersrente, Vor- und Nachteile der Rente versus eines Kapitalbezugs oder die Auswirkungen eines Stellenwechsels auf das Vorsorgeguthaben. Auch die Absicherung bei Invalidität sowie Hinterlassenenleistungen im Todesfall sind oft Gegenstand von Fragen. Zudem spielt die Optimierung der Rente durch freiwillige Einkäufe oder der Vorbezug des Guthabens, etwa für Wohneigentum, eine wichtige Rolle. Ein wachsendes Interesse besteht an den steuerlichen Auswirkungen.

Um diese Anliegen zu adressieren, setzen wir auf eine Kombination aus persönlicher Beratung und modernen digitalen Tools. Unser Online-Portal ermöglicht Versicherten, die steuerlichen Konsequenzen ihrer Entscheidungen direkt zu simulieren und ihre Vorsorgesituation umfassend zu analysieren. Für komplexere Fragen stehen unsere Fachleute zur Verfügung, um individuelle Lösungen zu erarbeiten und Sicherheit bei der Entscheidungsfindung zu geben.

Dieser Mix aus innovativen Technologien und persönlichem Support garantiert, dass unsere Versicherten bestens informiert sind und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Unterstützung erhalten. 

Sie sind Vorstandsmitglied von Inter-Pension. Wie beurteilen Sie die Bedeutung des Verbandes für die Stärkung der beruflichen Vorsorge in der Schweiz?

Inter-Pension spielt eine Schlüsselrolle, um die Interessen von Sammel- und Gemeinschaftsstiftungen zu bündeln und gezielt in den politischen Diskurs einzubringen. Durch die Förderung von Best Practices und den kontinuierlichen Dialog mit Aufsichtsbehörden trägt der Verband dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität der beruflichen Vorsorge in der Schweiz zu sichern.

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Andrea Hohendahl, Chefredaktor von HZ Insurance, und sein Versicherungsexpertenteam liefern Ihnen die Hintergründe zu Themen, welche die nationale und internationale Versicherungswelt bewegen. Jeden Tag (werktäglich) in Ihrem E-Mail-Postfach. Jetzt kostenlos zum Newsupdate für Insurance-Professionals anmelden.
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