Etwas unberechenbar, aber sicher gut für die US-Wirtschaft. So wurde Trumps Wiederwahl in Wirtschafts- und Finanzkreisen gefeiert. Ein Deregulierer und Dealmaker, der Strafzölle und andere Drohungen bloss als Verhandlungsinstrument einsetzt.
In New York schossen die Börsenkurse in die Höhe. Alle wollten dabei sein, wenn Trump Amerika wieder gross und die US-Techkonzerne noch grösser macht.
Doch von dieser Anfangseuphorie ist nicht mehr viel übrig. Selbst in den USA zweifeln immer mehr an Trumps Rezepten und sehen ein, dass Zölle schaden. Die Konsumentenstimmung ist eingebrochen, die Inflationserwartungen sind sprunghaft gestiegen. Nur noch rund 30 Prozent der Wählerinnen und Wähler sind damit einverstanden, wie Trump das Inflationsproblem angeht. Wenn mexikanische Avocados auf einen Schlag 20 Prozent teurer werden, werden es noch weniger sein.
Die stagflationäre Tendenz – sprich weniger Wachstum bei anhaltend hoher Inflation –, Trumps erratische Handelspolitik und sein Bruch mit Europa verunsichern auch die globalen Finanzmärkte. Sie wenden sich bereits wieder von den überteuerten US-Börsen ab und werden anderswo fündig. Etwa in Europa – ausgerechnet jener Region, wo es an Wachstum mangelt und die besonders stark unter einem Zollkrieg leiden würde. Doch anders als in den USA scheint die Inflation auf dem Rückzug und der Pfad für Zinssenkungen geebnet. Und natürlich schwingt die Hoffnung mit, dass sich Europa jetzt endlich zusammenrauft.
Die steigenden Börsenkurse in Frankfurt, Paris und Zürich stehen im Kontrast zur Katerstimmung in den USA, wo der Leitindex seit Trumps Amtseinführung im Minus ist. Der steigende Goldpreis ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Investoren mit Trump nicht so happy sind. Wären Inflation und Haushaltsdefizit glaubwürdig unter Kontrolle, würden sie sich nicht derart auf das Edelmetall stürzen.
Trump kann diese Entwicklung nicht egal sein. Denn Börsenkurse sind die einzige Sprache, die er versteht. Er prahlt gerne mit dem starken Abschneiden der US-Börsen während seiner ersten Amtszeit. Schwache Aktienmärkte passen so gar nicht zur Mega-Parole, Amerika gross und stark zu machen.
Wenn schon sonst niemand Trump von seinen Plänen abhalten kann, bleibt zu hoffen, dass wenigstens die Börsen ihn etwas zur Vernunft bringen.