Der US-Zoll-Schock hat die Schweizer Börse am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit Januar gedrückt. Der Leitindex SMI verlor bis kurz vor Handelsschluss 2,5 Prozent auf 12.277 Punkte. Der auch als «Angstbarometer» verwendete Volalilitätsindex schoss im Gegenzug um elf Prozent hoch.

US-Präsident Donald Trump verhängte Zölle in Höhe von 31 Prozent auf Einfuhren aus der Schweiz. Der Satz ist der höchste unter den westlichen Industrieländern. Händler rechneten nun mit einer Wachstumsabschwächung in dem kleinen, exportorientierten Land. Global stellten sich die Anleger auf einen Handelskrieg ein und hoben das Risiko einer Rezession hervor.

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Schlusslicht unter den Standardwerten waren Logitech mit einem Minus von 16,5 Prozent. «Logitech gerät wegen der angekündigten US-Zölle besonders unter Druck, da rund 40  Prozent der Produkte in eigenen Werken in China gefertigt werden und weitere Teile der Produktion in Asien und Lateinamerika erfolgen», erklärte Maurizio Porfiri, Anlagechef von Maverix Securities. Die UBS sackte 8,4 Prozent ab und entwickelte sich damit deutlich schlechter als der europäische Bankenindex. Konzernchef Sergio Ermotti strich die Unwägbarkeiten der drohenden schärferen Regulierung in der Schweiz hervor.

Erleichterung bei Pharma

Auch die Luxusgütertitel Richemont und Swatch flogen aus den Depots der Anleger. Die USA sind für die Branche ein Schlüsselmarkt. Gesucht waren dagegen Aktien von Unternehmen mit einem defensiven Geschäftsmodell. Swisscom verteuerten sich um 3,3 Prozent, Novartis um 0,4 Prozent. Der Pharmakonzern profitierte von einer US-Zoll-Ausnahmeregelung für den Sektor. «Dass pharmazeutische Produkte für den Moment ausgenommen werden, ist für die Schweiz ein Plus und erklärt die gute Performance gerade von Novartis», betonte George Alevrofas, Anlagechef von VT Wealth Management.

 

Die relalativ gute Entwicklung bei Novartis hat damit zu tun, dass pharmazeutische Produkte von den Zöllen ausgeschlossen bleibten, was Investoren mit Erleichterung quittieren. Am Vortag noch war die Gesundheitsbranche europaweit unter Druck gekommen, weil befürchtet wurde, dass auch sie Opfer der US-Zollpolitik würde. Für die Schweiz sei dies als gute Nachricht zu werten. Immerhin gehen 55 Prozent der US-Exporte auf das Konto der pharmazeutischen Industrie.

US-Börsen mit herben Verlusten

Auch die Anleger an der Wall Street sind am Donnerstag aus Angst vor den wirtschaftlichen Folgen eines Handelskrieges aus Aktien geflohen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel um 2,6 Prozent auf 41'131 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab 3,1 Prozent auf 5496 Punkte nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sackte um 4,7 Prozent auf 16.768 Punkte ein.

(reuters/sda/dob)