Als Vito Giglio 1990 am Hallwylplatz sein familiäres Restaurant eröffnete, gab es in Zürich neben der «Casa Ferlin» und dem «Accademia» kaum andere hochklassige italienische Adressen. Die schmale Konkurrenz erlaubte es dem damals 32-Jährigen, den es als Jugendlichen aus Kalabrien in eine Küche in Flüeli-Ranft verschlagen hatte, sich rasch und nachhaltig zu profilieren. Heute gilt das Ristorante Il Giglio in der Stadt als Kult-Italiener.
Harmonie in der Küche. Vito Giglio offeriert keine rustikale Mamma-Küche. Er flirtet auch nicht mit der manchmal etwas schweren klassischen Cucina alta. Giglio kocht leicht, unspektakulär, unprätentiös, ja puristisch. Mit grossem Respekt vor den Produkten hat er sich der Quintessenz des Geschmacks verschrieben. Klarheit und Präzision zeichnen seine Gerichte aus.
Kurzum: Vito Giglio kocht in seiner kleinen Küche zusammen mit einer Köchin und in Harmonie mit seiner Partnerin Patrizia Strasser, die den liebenswürdigen Service führt und daneben noch Pasta und so leichtfüssige und elegante Desserts hervorzaubert, wie man es sich erhofft, wenn man an das heitere Land denkt, wo die Zitronenbäume blühen.
Herzerwärmend. Vitos Lieblingsgäste sind jene, die ihm Carte blanche geben und ihm einfach sagen: «Koch mir zwei, drei Gänge, Vito.» Dann serviert er etwa gebackene, mit einer luftigen Spinat-Farce gefüllte Calamari-Ringe. Oder bringt sanft pochierte Jakobsmuscheln mit hauchdünn fritierten Zucchiniblüten zusammen. Die filigranen Ravioli füllt er mit feinem Kalbfleisch und übergiesst sie mit etwas Butter und Olivenöl. Der zarte Steinbutt liegt auf Cima di Rapa, Taggiasche-Oliven und herrlich aromatischen Tomaten, die Vitos Mutter in Kalabrien eingemacht hat. Die Gerichte kommen von Herzen und wirken herzerwärmend.
Welche Weine braucht diese Küche? Bestimmt keine protzigen, wie sie so viele italienische Weinkarten schmücken. Mit dem Bassersdorfer Händler Sergio Archetti hat Giglio einen kongenialen Partner gefunden. Archetti führt keine Renommiergewächse, sondern findet italienische Aschenputtel-Weine, entstanden aus schlichter Handwerkskunst, und verhilft ihnen im Kontext von Giglios Küche zu einem strahlenden Auftritt.
- Was man gegessen haben muss: Linguine al profumo di mare.
- Zeit bis zum ersten Bissen: 10 Minuten.
- Diskretionsfaktor: Die vielen Promis, die hier verkehren, werden nicht um Autogramme gebeten.
Il Giglio
Vito Giglio und Patrizia Strasser
Weberstrasse 14
8004 Zürich
Tel. 044 242 85 97
Ruhetage: Samstag und Sonntag.
Ferien: letzte Juli- und die ersten zwei Augustwochen.