Es gibt Produkte, die im Abfall landen, wenn sie defekt sind. Beispielsweise ein Handy. Anderes lässt man reparieren – das Auto oder die schicke Kaffeemaschine. Und dann gibt es die Produkte dazwischen: Man bastelt selber daran, versucht, es zu reparieren. Erst wenn das nicht klappt, konsultiert man einen Techniker. Bis jetzt gehörte das Velo in diese Kategorie.
Doch diese Zeiten sind vorbei: Heute ist fast jedes zweite verkaufte Velo motorisiert. Denn wer einmal mit E-Bike-Power abgehoben hat, ist angefixt und will nicht mehr zurück auf den Boden der Strampelrealität. Wir sind abhängig geworden von unseren Velodealern: E-Bikes verlieren, gleich wie Elektroautos, schneller an Wert. Die Motoren brauchen Updates. Dank der Unterstützung nutzt man das E-Bike zum Pendeln und legt mehr Kilometer zurück. Deshalb müssen E-Bikes auch schneller ersetzt werden. Die alte Regel, dass die Schweizer alle neun Jahre ein neues Velo kaufen, gilt nicht mehr – neu sind es nur noch alle sechs Jahre.
Dabei spielen die Motoren und ständig wechselnde Komponenten eine grosse Rolle: Wer zu Hause am Rad mechen will, kann das nicht. Zu gross die Komplexität, zu hoch das Risiko eines Stromschlags. Wer E-Bikes repariert, muss Programmierer, Elektriker und Mechaniker in einem sein. Ein Ding der Unmöglichkeit für den normalen Velofahrer. Diese Abhängigkeit hat der Velohandel für sich entdeckt – und schlau genutzt: Viele haben neben ihre Werkstätten einen langen Tisch gestellt und Kaffeemaschinen installiert. Dort tauschen sich die E-Bike-Fahrer nach einem Trip mit Freunden aus. Zum Kaffee flickt der «Mech des Vertrauens» das geliebte E-Bike oder verpasst ihm ein Finetuning.
Nun gibt es neben den begeisterten E-Bike-Fahrerinnen noch diejenigen, die bewusst auf einen Motor verzichten. Muskelkraft statt Elektroantrieb. Nur: Wer sich heute gegen ein E-Bike wehrt, investiert dafür in ein teures Rad. Das kommt nicht nur mit stolzem Preisschild daher, sondern auch mit viel modernem Schnickschnack: Wattzähler, Bluetooth-Sattelstütze, elektrische Schaltung. Darauf will man dann doch nicht verzichten. Geht jedoch etwas kaputt, landet man wieder beim Velodealer.
Davon profitiert die ganze Branche. Sie hat die Zeichen der Zeit erkannt und die technologische Entwicklung schlau genutzt. Jetzt muss sie aber aufpassen, dass die Konsumentenstimmung ob der explosiven Mischung aus teureren Produkten mit kürzerer Lebensdauer nicht kippt und die Freude über die neusten Gadgets in Missmut über die Abhängigkeit umschlägt.