Die Business-Idee
Lernbuddy ist eine digitale Plattform, die Schülerinnen und Schülern eine unkomplizierte Möglichkeit bietet, schulische Fragen zu stellen und innerhalb weniger Minuten eine Antwort von qualifizierten Tutorinnen und Tutoren zu erhalten. Statt auf teure und oft unflexible Nachhilfestunden zu setzen, ermöglicht das System den direkten Austausch zwischen Lernenden und einer Person, die ihnen die Lösung nachvollziehbar erklärt. Die Lernenden können eine Frage per Foto oder Text hochladen und erhalten daraufhin eine Erklärung, die den Lösungsweg verständlich macht.
Dabei setzt Lernbuddy bewusst auf den menschlichen Faktor und verzichtet auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) zur Beantwortung der Fragen. Laut Gründer Kushtrim Arifi liegt der Vorteil darin, dass die Lernenden nicht nur eine fertige Antwort erhalten, sondern den Lösungsprozess verstehen. «Der Lerneffekt ist viel grösser, wenn man den Ansatz versteht, statt nur die fertige Antwort zu bekommen», erklärt Arifi. Die Plattform richtet sich an Schülerinnen und Schüler von der ersten bis zur neunten Klasse sowie an Studierende, die Unterstützung in einzelnen Fächern suchen.
Neben der Beantwortung von Fragen sieht Lernbuddy langfristig auch die Möglichkeit, Online-Nachhilfestunden anzubieten, um Schülerinnen und Schülern vertiefte Erklärungen zu ermöglichen. Das Konzept soll flexibel sein und eine Alternative zur klassischen Nachhilfe bieten, die in der Schweiz oft mit hohen Kosten verbunden ist.
Der Gründer
Kushtrim Arifi ist kein typischer Tech-Unternehmer, sondern kommt aus der Bildungsbranche. Er sammelte zunächst Erfahrungen in der Beratung, entschied sich jedoch später für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern und gründete 2018 ein Lern- und Coaching-Center in Zürich. Dort erkannte er, dass viele Kinder auch ausserhalb ihrer Nachhilfestunden Fragen hatten, aber oft keine Person zur Verfügung stand, die ihnen helfen konnte. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte er die Idee für Lernbuddy, um eine digitale Lösung für dieses Problem anzubieten.
Sein Ansatz basiert auf der Überzeugung, dass jedes Kind seinen eigenen Lernweg gehen sollte. Seine Erfahrungen in der Bildungsarbeit und sein Wissen zu Lernprozessen fliessen in die Gestaltung von Lernbuddy ein. Ihm ist wichtig, dass die Plattform nicht nur als einfache Antwortmaschine dient, sondern als ein Tool, das Schülerinnen und Schüler dazu befähigt, ihre eigenen Lösungen zu erarbeiten.
Das Kapital
Lernbuddy wurde bislang ausschliesslich aus Eigenmitteln finanziert. Arifi hat darauf gesetzt, das Unternehmen ohne externe Investorinnen und Investoren aufzubauen, um bei der Umsetzung seiner Vision flexibel zu bleiben. Die Kostenstruktur des Startups ist schlank gehalten: Die Tutorinnen und Tutoren werden pro beantwortete Frage bezahlt, und hohe Fixkosten werden vermieden. Diese Strategie soll dazu beitragen, dass das Angebot für möglichst viele Familien bezahlbar bleibt.
Langfristig könnte jedoch eine externe Finanzierung erforderlich sein, um das Wachstum zu beschleunigen. «Ich habe bis jetzt noch niemanden gefunden, der gratis arbeitet. Bildung soll für alle zugänglich sein, aber wir brauchen Ressourcen, um das nachhaltig zu machen», erklärt Arifi. Besonders im Bereich Marketing und Skalierung sieht er Investitionsbedarf. Derzeit finanziert sich Lernbuddy über die Gebühren, die Nutzerinnen und Nutzer für die Beantwortung ihrer Fragen zahlen. Dabei gibt es verschiedene Modelle: einzelne Fragen können individuell bezahlt werden, alternativ gibt es Monats- und Jahresabos, die eine bestimmte Anzahl an Fragen abdecken.
Der Markt
Der Bildungsmarkt bietet grosses Potenzial für digitale Lösungen, insbesondere in der Schweiz, wo klassische Nachhilfe sehr teuer ist.
Der Markt für Online-Lernplattformen ist in den letzten Jahren gewachsen, auch durch den verstärkten Einsatz digitaler Bildungstools. Während in Deutschland einige Anbieter auf KI-gestützte Lösungen setzen, bleibt Lernbuddy dem Prinzip der menschlichen Interaktion treu. Auch wenn der Druck von Chat GPT und Co. immer stärker wird. Laut Arifi erfüllen Algorithmen derzeit nicht zuverlässig die spezifischen Anforderungen des Schweizer Bildungssystems, insbesondere in Fächern wie Mathematik, wo Lösungswege eine grosse Rolle spielen.
Auch die Preisstruktur unterscheidet sich stark von anderen Märkten. «Der Durchschnittspreis für Nachhilfe in Zürich liegt bei 110 Franken pro Stunde. Das kann sich nicht jeder leisten. Wir bieten eine Alternative», sagt Arifi. Indem Lernbuddy ein Abo-Modell anbietet, soll der Zugang zu Bildungsressourcen für eine breitere Zielgruppe erschwinglicher gemacht werden.
Die Chance
Lernbuddy hat das Potenzial, sich als fester Bestandteil der digitalen Bildungslandschaft zu etablieren. Die Plattform ist bereits live, und Arifi setzt darauf, durch ein schrittweises Wachstum die Qualität der angebotenen Antworten sicherzustellen. Ziel ist, bis Ende des Jahres hundert zahlende Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen, in den nächsten drei Jahren soll die Zahl auf eintausend steigen.
Ein zentraler Faktor für den Erfolg wird die Weiterentwicklung der Plattform sein. Neben der bestehenden Frage-Antwort-Funktion soll in Zukunft auch die Möglichkeit bestehen, Online-Nachhilfestunden direkt via Lernbuddy zu buchen. «Der Markt ist riesig, und unser Ansatz zeigt, dass die Nachfrage da ist. Wir wachsen lieber langsamer, aber dafür mit hoher Qualität», erklärt Arifi. Die Herausforderung liegt darin, ein Gleichgewicht zwischen Wachstum und Qualität zu finden.
Sollte sich das Modell bewähren, könnte Lernbuddy als Beispiel für digitale Bildungslösungen dienen, die moderne Technologien mit persönlicher Betreuung kombinieren. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich das Startup in einem von KI-Technologie geprägten Markt behaupten kann.
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