«Gold führt die Entwicklung an, der Bitcoin folgt», hiess es vergangene Woche in einer Analyse zur Preisentwicklung beider Assets. Wenn das zutreffen sollte, dann müsste der Bitcoin in den kommenden Monaten bis in die Region von 130’000 Dollar steigen. Denn der Goldpreis ist seit Jahresanfang um 18 Prozent gestiegen. Der Bitcoin-Preis dagegen ist um einen ähnlichen Prozentwert gefallen, trotz reichlich Rückenwind in den USA durch die Regierungen. Inzwischen fragt man sich, ob die Bitcoin-Preise nicht noch einiges tiefer fallen können, nachdem das jahrelang währende Preisverhältnis eine zwölf Jahre andauernde Unterstützungslinie nach unten durchbrochen hatte.

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Politischer Rückenwind aus den USA

«Während Gold und Bitcoin viele Gemeinsamkeiten als Wertspeicher haben – vor allem aufgrund der Knappheit –, ist Bitcoin in einigen Aspekten überlegen, insbesondere in Bezug auf Transportierbarkeit, Teilbarkeit und Zensurresistenz», erklärt Adrian Fitz, Leiter Research bei 21 Shares. «Gold hat jedoch den Vorteil einer jahrtausendelangen Geschichte als akzeptiertes Wertaufbewahrungsmittel, während Bitcoin diesen Status noch weiter festigen muss.» Historisch gesehen sei die Korrelation zwischen Bitcoin und Gold sehr gering, was beide Assets komplementär macht. 

Mit Donald Trump im Amt und einem Pro-Krypto-dominierten Kongress hat sich laut Fritz auch das regulatorische Umfeld für Bitcoin und digitale Assets deutlich verbessert. «Die Krypto-freundliche Executive Order war der erste Schritt für mehr regulatorische Klarheit und schafft Rückenwind für die weitere Adoption», kommentiert Fritz diese Entwicklung. «Das könnte auch als Signalwirkung für andere Jurisdiktionen dienen und die globale Kryptoakzeptanz beschleunigen.» Eine solche steigende Akzeptanz würde zudem höhere Bitcoin-Preise mit sich bringen.

 

Risiko im Portfolio bewusst steuern

Allerdings ist für Anleger mit Sitz in der Schweiz auch die eigene Währung eine effiziente Absicherung. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich der Euro-Preis gegenüber dem Franken praktisch halbiert – und umgekehrt hat sich der Franken-Kurs gegenüber dem Euro fast verdoppelt. «Der Schweizer Franken wird oft als sicherer Hafen betrachtet, da die SNB eine unabhängige Geldpolitik verfolgt», erklärt Fritz. «In inflationären oder geopolitisch unsicheren Zeiten hat sich der Franken als stabil erwiesen. Im Gegensatz zu Bitcoin ist er aber nicht begrenzt im Angebot und bleibt ein staatlich kontrolliertes Währungsinstrument.» In der Kryptoanleger-Community spielt das eine grosse Rolle.

 

Konzentration auf den Bitcoin

Akademische und marktnahe Forschungen ergaben, dass sich mit der Beimischung von Bitcoin in einem konventionellen Portfolio die Performance bei gleichem Risiko verbessern lässt. «Unsere Analysen zeigen, dass eine Allokation von 1 bis 5 Prozent in Bitcoin das Rendite-Risiko-Profil eines diversifizierten Portfolios verbessern kann», bestätigt auch Fritz. «Durch die geringe historische Korrelation von Bitcoin zu traditionellen Anlageklassen bietet es zusätzliche Diversifikationsvorteile.» Wichtig sei es jedoch, eine regelmässige Rebalancierung vorzunehmen, um das Risiko im Portfolio effektiv zu steuern.

Auf den Bitcoin entfalle der Grossteil des nachgefragten Volumens, hiess es kürzlich an einem Branchenanlass von Vertretern der Zürcher Kantonalbank und von Maerki Baumann, einer Privatbank. Die weiteren Coins und Token – bei Maerki Baumann gegen 30 – weisen lediglich geringe Volumen und Nachfrage auf. «Während Bitcoin als digitales Gold betrachtet wird, bieten Ethereum und Solana ein anderes Wertversprechen», erläutert Fritz die Unterschiede. «Beide Projekte dienen als Plattformen für Innovation und bilden das Rückgrat der nächsten Generation des Internets.» Daher sollten sie eher als Technologieinvestments betrachtet werden – vergleichbar mit führenden Tech-Aktien, da sie eine zentrale Rolle in der modernen digitalen Infrastruktur spielen. Darüber hinaus entstehen in der Kryptoindustrie zahlreiche Sektoren wie Defi (dezentrales Finanzwesen), Tokenisierung, dezentrale physische Infrastruktur, Stablecoins und die Konvergenz von Krypto und KI. «Gleichzeitig gibt es jedoch viele Coins und Token ohne realen Wert oder Nutzen – ein typisches Nebenprodukt neuer Technologien, ähnlich wie damals beim Internet», so Fritz weiter. «Mit zunehmender Bildung und Adoption werden Investoren jedoch langfristig sicherer in der Bewertung solcher Assets.»

Für die kommenden Jahre erwartet Fritz einen weiteren Aufschwung des Bitcoins: «Bis 2030 könnte Bitcoin eine noch fixere Rolle als globaler Wertspeicher einnehmen und möglicherweise einen bedeutenden Anteil der Marktkapitalisierung von Gold erreichen. Die institutionelle Integration dürfte weiter voranschreiten, mit Bitcoin als strategischer Reserve in den Bilanzen von Unternehmen und Staaten.» Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte Bitcoin endgültig als digitales Äquivalent zu Gold etabliert sein.