Infrastrukturinvestitionen zeichnen sich durch eine weitgehende Unabhängigkeit von Marktzyklen aus. «Im Portfoliokontext bieten sie eine gute Quelle der Diversifikation, da sie weniger anfällig für wirtschaftliche Unsicherheiten sind und einen starken Inflationsschutz bieten», erklärt Alex Leung, Leiter Infrastrukturforschung und -strategie bei UBS Asset Management. Die Erfahrung zeige, dass damit stabile risikoadjustierte Erträge möglich seien.
«Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien kann dazu beitragen, regulatorische und Reputationsrisiken von Infrastrukturinvestitionen zu steuern und das Anlageergebnis weiter zu verbessern.» In Bezug auf erfolgreiche nachhaltige Infrastrukturprojekte nennt Leung Megatrends wie Dekarbonisierung und Digitalisierung. Er warnt jedoch vor einem Hype und Herdenverhalten und rät zu einer bewussten Auswahl. Darüber hinaus würden vor allem traditionelle Infrastrukturbereiche wie Versorgungsunternehmen, Transport und Abfallwirtschaft oft übersehen. Dabei verfügten sie über starke Fundamentaldaten und könnten attraktiver werden, wenn sich das makroökonomische Umfeld stabilisiert, hält Leung fest.
Transparenz als Grundlage
Transparenz ist nicht nur bei ESG-Anlagen, sondern bei allen Infrastrukturinvestitionen wichtig. «Die meisten Manager sind ihren Investoren gegenüber ziemlich transparent und bieten so viele Informationen wie möglich», sagt Leung. «Eine häufige Diskrepanz kann sich aus der langen Laufzeit der Anlagen ergeben, die sich über zwanzig, dreissig oder sogar fünfzig Jahre erstreckt.» Hier gelte es, sich bewusst zu machen, dass kurzfristige Markt- und Konjunkturschwankungen selten einen signifikanten Einfluss auf die Gesamtbewertung dieser Investitionen haben. «Viele Faktoren, die Anleger für andere Anlageklassen als wichtig erachten, sind für Infrastruktur möglicherweise unerheblich», ergänzt Leung daher.
Ein weiterer Aspekt der Transparenz betrifft die öffentliche Wahrnehmung. Private Infrastrukturanlagen werden oft als undurchsichtig und nicht rechenschaftspflichtig gegenüber Verbrauchern oder Bürgerinnen wahrgenommen. Leung betont, dass die Branche grosse Fortschritte bei der Verbesserung der Offenlegung, der Öffentlichkeitsarbeit und der öffentlichen Wissensvermittlung gemacht hat. Er sieht hier weiteres Potenzial, besonders im Hinblick auf das ESG-Rahmenwerk, welches durch gute Unternehmensführung bei der Berichterstattung und Offenlegung, durch den öffentlichen Dialog sowie durch den Fokus auf gesellschaftliche Auswirkungen zu einem besseren gemeinsamen Verständnis beitragen kann.
Marktschwankungen sind normal
Verstanden werden sollte zudem, dass natürlich politische und regulatorische Rahmenbedingungen bei Infrastrukturanlagen beachtet werden müssten. Aktuell schauen hier viele Anleger Richtung USA. «Das politische Umfeld ist derzeit volatil», sagt Leung. «Obwohl Wind und Sonne die günstigsten Formen der Stromerzeugung sind, nutzen Kritiker dasselbe Argument auch, um die Abschaffung von Subventionen für erneuerbare Energien zu fordern. Diesen Trend sehen wir in den USA, aber der Einfluss sollte marginal sein, angesichts des immensen Ausmasses der Chancen.» Denn historisch gesehen wurden in den USA alle paar Jahre Hunderte Milliarden Dollar in erneuerbare Energien investiert. Dass dieser Trend auch ohne Subventionen mit ähnlichen Investitionsvolumina in den kommenden Jahren anhalten wird, ist damit wahrscheinlich.
«Für die saubere Energiebranche ist es nichts Neues, dass das politische Pendel ständig schwingt. Sie hat sich bereits an diese Unsicherheiten gewöhnt und ist bezüglich der sich ändernden politischen Landschaft sehr anpassungsfähig geworden», findet Leung. «Es wird jedoch eine kurzfristige Nervosität geben. Die Investoren werden die neuesten Ankündigungen zunächst reflektieren und schauen, wo sich die Politik und Zölle einpendeln, bevor sie erhebliche Kapitalbeträge binden.» Relevant ist auch, dass es für globale Investoren kaum praktikabel ist, den US-Markt zu meiden. Vor allem, weil das durch künstliche Intelligenz (KI) getriebene Stromnachfragewachstum vorwiegend den USA zugutekommt. Auf der anderen Seite ist der europäische Markt für erneuerbare Energien immer noch grösser als der amerikanische. Daher findet Leung: «Diese Märkte sind substanziell genug, dass man sich nicht nur für einen entscheiden muss. Beide bieten attraktive Anlagemöglichkeiten, die von Fall zu Fall analysiert werden sollten. Insbesondere für Schweizer Anleger sind Investitionen in erneuerbare Energien in Europa oder in den USA, zumal in solche mit langfristigen Verträgen und stabilen Erträgen, aufgrund der niedrigen Staatsanleiherenditen in der Schweiz relativ attraktiv.»