Das makroökonomische Umfeld schafft 2025 in der Theorie eine freundliche Kulisse für Schwellenländer. Die anhaltende Disinflation sollte es den meisten grossen Zentralbanken ermöglichen, die Zinsen im Laufe des Jahres zu senken, während das globale Wachstum solide bleibt – wenn auch stark durch die USA beeinflusst. Doch wie in diesem Jahr bereits deutlich wurde, haben Donald Trumps politische Kurswechsel auch erhebliche Auswirkungen auf die Schwellenländer.
Kirstie Spence, Portfoliomanagerin und Management Committee Member, Capital Group
Marktteilnehmer hatten ursprünglich erwartet, dass Zölle unter einer zweiten Trump-Regierung, insbesondere auf chinesische Waren, weiterhin auf vermeintlich unfaire Handelspraktiken abzielen würden und dass etwaige Bedenken hinsichtlich Mexiko im bevorstehenden Überprüfungsprozess des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Kanada und Mexiko geklärt würden. Die Einführung von Zöllen in Höhe von 25 Prozent auf Importe aus Mexiko und Kanada signalisiert jedoch eine deutlich veränderte Haltung der USA zum Welthandel. Sie betonen protektionistische Massnahmen zur Bewältigung tief verwurzelter wirtschaftlicher Probleme. Neben der Bekämpfung vermeintlicher Handelsvorteile sind weitere Ziele hinzugekommen, wie etwa die Erhöhung der Zolleinnahmen zur Gegenfinanzierung geplanter Steuersenkungen.
Zölle führen direkt zu einem Anstieg der Binneninflation in den USA und können auch den ausländischen Wettbewerb verringern. Dadurch erhalten inländische Produzenten mehr Spielraum, ihre Preise selbst zu erhöhen, was den Inflationsdruck verstärken könnte. Ob sich das in einer anhaltenden Inflation niederschlägt, hängt von der Reaktion der US-Notenbank Fed ab. Angesichts der politischen Volatilität im Zusammenhang mit Zöllen sowie der unberechenbaren Fiskal- und Wirtschaftspolitik dürfte die Fed vorsichtig bleiben, solange das Wachstum stabil ist. Sollte die Fed eine restriktive Geldpolitik verfolgen, könnte dies einige Schwellenländer-Zentralbanken unter Druck setzen, die Zinsen auf einem höheren Niveau zu halten. Die Risiken wären in Schwellenländern mit hoher oder anhaltender Inflation und geringer externer Stabilität am höchsten.
Schwierige Prognose für Dollar
Die Auswirkungen der US-Zölle hängen massgeblich von Faktoren wie den Zielen der Zölle, den betroffenen Produkten, der Höhe der Zölle und möglichen Ausnahmen ab. Hinzu kommen potenzielle politische Reaktionen anderer Länder. Dazu zählen Vergeltungsmassnahmen, bilaterale Handelsabkommen oder auch die Senkung von Handelsbarrieren, um US-Unternehmen den Zugang zu ausländischen Märkten zu erleichtern.
Die klassische Wirtschaftstheorie besagt, dass Zölle die US-Nachfrage nach importierten Gütern aufgrund steigender Kosten verringern sollten. Das dürfte direkte negative Folgen auf die Nachfrage nach den betroffenen Fremdwährungen sowie deren Stärke haben. Langfristig könnten Zölle jedoch die Wachstumsaussichten in den USA dämpfen, was wiederum den Dollar schwächen könnte. Eine expansive Fiskalpolitik hingegen könnte das US-Wachstum stützen und Kapitalzuflüsse in die USA anziehen, wodurch der Dollar gestärkt würde. Allerdings könnte eine steigende US-Schuldenquote längerfristig das Gegenteil bewirken und den Dollar unter Druck setzen. Eine unberechenbare und unvorhersehbare Wirtschaftspolitik dürfte also gegensätzliche Effekte auf den Dollar haben.
Starke Fundamentaldaten
Die Schwellenländer haben sich seit der ersten Präsidentschaft von Donald Trump als widerstandsfähig erwiesen und zwei regionale Kriege sowie eine Pandemie überstanden. Die Aussenhandelsbilanzen sind mit Ausnahme einiger Frontiermärkte im Allgemeinen stark, während sich die Inflation seit den Höchstständen von 2022 deutlich abgeschwächt hat und sich dank der anhaltend restriktiven Geldpolitik im Allgemeinen weiterhin im Abwärtstrend befindet.
Fiskalindikatoren bleiben eine Schwachstelle, doch die meisten der grossen Schwellenländer haben das Fälligkeitsprofil ihrer Schulden verlängert und emittieren jetzt mehr in lokaler Währung. Viele Schwellenländer haben auch Spielraum, um falls nötig die Zinsen zu senken und das Wachstum zu stützen. Insbesondere China könnte die Fiskalpolitik weiter lockern, um die negativen Effekte höherer Zölle teilweise auszugleichen.
Auch die Fundamentaldaten der Unternehmen in den Schwellenländern sind gut, insbesondere im Vergleich zu Unternehmen in den Industrieländern. Da sie die Pandemie relativ gut überstanden haben, sind sie im Allgemeinen in einer besseren Position als in weiten Teilen des vergangenen Jahrzehnts. Insgesamt dürfte Trump weiterhin für Volatilität in den Schwellenländern sorgen. Allerdings sprechen die relativ starken Fundamentaldaten innerhalb der Anlageklasse sowie attraktive Bewertungen – besonders bei Lokalwährungsanleihen – dafür, dass es für Investoren mit einem Bottom-up-Ansatz nach wie vor Chancen gibt.