Der Name des Ortes ist Kemmerer. Die heruntergekommene Kohle-Stadt in Wyoming soll zu einem Hot Spot im Kampf gegen den Klimawandel werden. Denn bis 2028 errichtet die Firma TerraPower dort ein neuartiges Atomkraftwerk. Womit sie zugleich den Coal Miners von Kemmerer neue Jobs und neue Perspektiven verschaffen will.
TerraPower? Das Unternehmen hat einen bekannten Gründer: Bill Gates. Und es hat einen bekannten Verwaltungsratspräsidenten: Bill Gates.
Den einen geläufig als Microsoft-Gründer, den anderen als Philanthrop, den dritten als Weltverschwörer, hat Gates auch noch eine Facette als Förderer der Atomkraft.
2006 lancierte er zusammen mit dem amerikanischen Energieministerium die Firma, die mit Laufwellen- und Flüssigsalzreaktoren quasi Atomabfälle rezyklieren will. Die Idee: Ihre natriumgekühlten Reaktoren benötigen abgereichertes Uran. Damit sollen zwei Probleme angegangen werden: Schaffung neuer Energiequellen plus eine sinnvollere Nutzung der atomaren Abfälle. Laut Angaben von TerraPower steckt in den weltweit vergrabenen Atommüll-Mengen noch genug Energie, um den grössten Teil der Menschheit ein Jahrtausend lang mit Strom zu versorgen.
Teil von Bidens Billionen-Programm
Nun soll erstmals solch ein Mini-Meiler für abgereichertes Uran erstellt werden. Die Verortung im Bundesstaat Wyoming war bereits bekannt, aber neben dem Namen der Ortschaft verriet TerraPower gestern auch Ideen zu Finanzierung und Betrieb. Ins Projekt des AKW – das als «demonstration plant» bezeichnet wird – fliessen Gelder von Joe Bidens Billionen-Infrastrukturprogramm: Das Energieministerium trägt die Hälfte der Baukosten von 4 Milliarden Dollar, die andere Hälfte obliegt TerraPower.
Nach der Fertigstellung im Jahr 2028 soll dann der Energiekonzern PacifiCorp das Kraftwerk betreiben. Dieses Unternehmen gehört wiederum zu Berkshire Hathaway, dem Mischkonzern von Gates’ gutem Freund Warren Buffett.
Laut der Ankündigung soll der Flüssigsalzreaktor von Kemmerer im Normalbetrieb 345 Megawatt produzieren, ausbaubar bis 500 Megawatt. Das wäre also etwa die Hälfte des Stroms, den eine Kleinstadt benötigt (mehr). Respektive etwas weniger als die Hälfte der Leistung des AKW Gösgen.
(rap)
7 Kommentare
Die Idee ist gut, die Herausforderung ist der Moderator und das Kühlmittel Natrium. Ich hoffe das wird beherrscht.
Konventionelle Kernkraftwerke können nur mit massiven staatlichen Subventionen betrieben werden und somit unwirtschaftlich.Der Rückbau nach Betriebsablauf und die Entsorgung des Atommülls verschlingt weitere enorme finanzielle Mittel (vermutlich wieder aus Steuergeldern).
Neue KKW können keinen Beitrag zur Klimakrise leisten, weil sie nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen würden.
Hier haben wie es aber mit einem neuen Typ KKW zu tun, welches vielleicht das Atommüll-Problem lösen könnte. Insofern befürworte ich dieses Experiment.
Ich weiß nicht ob der Kommentator schon mal ein KKW betrieben hat?
Die beiden Herren sind da pragmatisch veranlagt. Sie sehen klar, dass Sonnen- und Windkraft den Bedarf an Strom nicht decken können und offensichtlich ist auch (man informiere sich!), dass die Fusionsreaktoren noch auf viele Jahre hinaus keinen Strom erzeugen werden.
Gut, weil eine Übersicht zu erkennen ist
Warren Buffet und Bill Gates für den «Klima-Schutz»!? Darum bauen die jetzt AKWs. Da haben sich 2 ganz niedliche Typen zusammen gefunden. Es geht halt nichts über ein bisschen Idealismus und viel, viel Kohle. - Ich meine diejenige im Portemonnaie, nicht die andere!
Ich würde das nicht so ilusorisch sehen, das Projekt hat mit entsprechender ausgeklügelter Technik gute Chancen