Wenn auf einen das Prädikat «Manager im Unruhestand» zutrifft, dann auf ihn: Peter Brabeck-Letmathe, der am Mittwoch seinen 80. Geburtstag feiert. Während des Gesprächs am Telefon ist der ehemalige Konzernchef und Präsident von Nestlé gerade auf dem Weg nach Genf: Zwei Geschäftstermine stehen an. «Ich habe immer noch sehr viele Pläne», so Brabeck. «Mehr Pläne, als dafür Zeit vorhanden ist.»

Brabeck beginnt seine Karriere in jungen Jahren bei der Nestlé-Tochter Findus in Österreich – als Verkäufer von Tiefkühlprodukten. Nach Stationen in Südamerika steigt er am Hauptsitz in Vevey VD bis an die Spitze auf. Bestimmt von 1997 bis 2017 die Geschicke des Nahrungsmittelgiganten, erst als Konzernchef, dann als Präsident, von 2005 bis 2008 gar im Doppelmandat.

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Kein Glück mit Kaviar

Noch heute hat der Österreicher ein Büro am Hauptsitz, wo er – wenn er nicht gerade auf Reisen ist – von halb neun bis halb sieben arbeitet. Doch als Arbeit möchte er das nicht bezeichnen. «Arbeiten ist, wenn sie etwas machen, um Geld zu verdienen. All meine heutigen Aufgaben sind ohne Entlöhnung.»

Kein Geld verdient hat Brabeck auch mit einem seiner ersten Investments in ein Start-up. 2015 investierte er in die Störzucht Kasperskian. Das Ziel: Kaviar zu produzieren, ohne die Fische töten zu müssen. Doch die Abnehmer waren nicht bereit, dafür einen Aufpreis zu bezahlen – der Betrieb musste 2019 Konkurs anmelden. Seine Beteiligung am Impfstoffhersteller Moderna dürfte da wesentlich lukrativer sein.

Ungebrochen ist Brabecks Neugier und Interesse an der Zukunft. Dazu engagiert er sich beim World Economic Forum WEF, als Verwaltungsrat bei der Formula One Group oder als Vorsitzender der Stiftung Gesda, die die weltweiten Fortschritte in der Wissenschaft auf dem Radar hat. Oder er kümmert sich erfolgreich um seine österreichische Uhrenmarke Carl Suchy.

<p>Leidenschaftlicher Flieger: Brabeck im Cockpit seiner PC-24, heute fliegt er noch eine PC-12, Helikopter und ein Gletscherflugzeug.</p>

Leidenschaftlicher Flieger: Brabeck im Cockpit seiner PC-24, heute fliegt er noch eine PC-12, Helikopter und ein Gletscherflugzeug.

Quelle: Daniel Reinhard/Pilatus Aircraft Ltd

2014 erkrankte der Topmanager an Krebs, konnte die Krankheit besiegen – auch dank seiner Leidenschaft fürs Fliegen, wie er vor ein paar Jahren der Schweizer Illustrierten verriet. «Ich fliege noch heute meine PC-12, Helikopter und ein kleines Gletscherflugzeug mit Skiern», so Brabeck zu Blick. «Jedes Jahr lege ich die notwendigen Prüfungen ab, um meine Lizenz zu erneuern – solange bis ich das Gefühl habe, das Fliegen nicht mehr zu beherrschen.»

Mann der klaren Worte

Das könnte noch dauern. Brabeck hält sich mit Pilates, Skifahren, Mountainbiken oder Bergsteigen fit. «Mit dem Alter werden die Berge immer höher.» Das heisst, die 4000er müssen es nicht mehr sein, aber als nächstes Ziel die über 3000 Meter hohen Dents du Midi in der Nähe seines Wohnortes Verbier VS.

Brabeck ist der Mann des direkten Wortes, sagt, was er denkt: «Ich spreche die Sprache eines Eisverkäufers: Wer mich fragt, bekommt eine offene und klare Antwort. Political Correctness ist nicht mein Ding.» Brabeck ist viel in den USA, oft in ländlichen Gegenden: «Ich bin kein Trumpist, der Ausgang der Wahlen hat mich aber nicht überrascht. Das war in der Bevölkerung schon lange zu spüren.»

Feiern wird Brabeck seinen Geburtstag bei einem Abendessen mit seinen erwachsenen Kindern – und am Samstag mit 200 Freunden aus der ganzen Welt.