Der Migros ist in der Bestsmile-Saga das Lachen definitiv vergangen: Nun hat die Detailhändlerin eine zivilrechtliche Klage gegen die drei Gründer des Zahnkorrektur-Kette aus Winterthur ZH eingereicht, wie CH Media berichtet. Damit eskaliert der Streit zwischen den zwei Parteien weiter. Bereits im vergangenen Oktober hatte sich eine Klage der Migros abgezeichnet, nachdem diese ihre Zahnmedizin-Tochter aufgegeben hatte – nur zwei Jahre nach der Übernahme.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Die Migros hatte Bestsmile 2022 vollständig übernommen. 2019 war sie 2019 über ihr ehemaliges Innovationsvehikel Sparrow Ventures beim damaligen Start-up eingestiegen. Laut Marktbeobachtern soll der Kaufpreis rund 100 Millionen Franken betragen haben. Nun glaubt die Migros offenbar, zu viel bezahlt zu haben.

<p>Die Migros beerdigte damals ihre Tochter und schloss alle Bestsmile-Standorte.</p>

Die Migros beerdigte damals ihre Tochter und schloss alle Bestsmile-Standorte.

Quelle: Kim Niederhauser

Bestsmile-Gründer streitet Vorwürfe ab

Laut dem Bericht geht es bei den von der Migros genannten «Ungereimtheiten» um unterschiedliche Buchungsstandards beim Jahresabschluss kurz vor dem Verkauf. Die Detailhändlerin vermutet, dass Umsatz und Gewinn künstlich hochgeschraubt wurden. Das habe dann zu einem überhöhten Kaufpreis geführt.

Bestsmile-Gründer Ertan Wittwer weist die Vorwürfe entschieden zurück. «Wir haben die Vorwürfe über den von BDO ordentlich revidierten Geschäftsabschluss letztes Jahr nochmals unabhängig analysieren lassen», erklärt er gegenüber CH Media. «Vier namhafte Buchhaltungsexperten kamen zum Schluss, dass der Revisionsbericht von BDO in jeder Hinsicht korrekt war.» Zur Erklärung: Als zuständige Prüfgesellschaft verantwortete BDO die Jahresabschlüsse von Bestsmile.

<p>Ertan Wittwer (l.), Marcel Kubli und Philip Magoulas (nicht auf dem Bild) gründeten Bestsmile 2018.</p>

Ertan Wittwer (l.), Marcel Kubli und Philip Magoulas (nicht auf dem Bild) gründeten Bestsmile 2018.

Quelle: Samuel Truempy

Wittwer betont zudem, dass Bestsmile zum Zeitpunkt des Verkaufs erfolgreich gewesen sei, mit einem Umsatz von 50 Millionen Franken und Profitabilität. Er wirft der Migros mangelnde Führungsfähigkeit vor: «Zuerst wollten sie die Kontrolle über Bestsmile unbedingt haben, und dann fehlte die Fähigkeit, das Unternehmen zu führen.» Die Migros selbst will sich zum laufenden Verfahren nicht äussern. Derweil ist das Bestsmile-Aus inzwischen auch nach aussen hin sichtbar: Alle Filialen sind geschlossen.