Ende 1990 haben Sie die Galerie für Gegenwartskunst in Bonstetten übernommen. Wie sind Sie zur Kunst gekommen? Ich bin Quereinsteigerin, und meine breite berufliche Erfahrung kommt mir in der Kunstvermittlung sehr zugute. Der Auslöser für die Idee Galerie war eine spezielle Ausbildungsreihe, wobei die Basis meine Begeisterung für Kunst vorgespurt war.

Wo setzen Sie Ihre thematischen Schwerpunkte? Mein Galerie-Programm ist breit gefächert und kontrastreich. Ich konzentriere mich auf zwei- und dreidimensionale Arbeiten mit eigenständiger, differenzierter Aussage: Malerei, Zeichnung, verfremdete Fotografie, Objekt und Skulptur. Ich schätze gestische Abstraktion, expressive Figuration ebenso wie erzählerische Elemente und als Gegensatz kontemplative künstlerische Arbeiten.

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Was lieben Sie an Ihrem Beruf? Die andauernde Auseinandersetzung mit Kunst und Menschen erlebe ich als immens bereichernd und herausfordernd. Mein Beruf ist ein ständiger Lernprozess. Er bedingt, mich immer wieder auf Neues einzulassen, mich mit meiner Sicht der Dinge zu exponieren und ich darf meine Begeisterung in die Welt hinaustragen.

Was bedeutet der Standort Bonstetten für Ihre Galerie? Das ländliche Bonstetten nahe Zürich sehe ich als Vorteil! Meine Kundinnen und Kunden beziehungsweise die Besucher kommen aus der ganzen Schweiz und darüber hinaus. Sie reisen extra hierher, um die Ausstellungen zu sehen. Sie nehmen sich die Zeit dazu. Das war nicht von Anfang an so. Es sind die Folgen der langjährigen Aufbauarbeit, des subjektiv gewählten Galerie-Programms und dass ich gerne «Dienstleister» bin.

Angenommen, Sie verfügen als junger Sammler über 10000 Fr., die Sie in Kunst investieren möchten. Nach welcher Strategie würden Sie vorgehen? Investition in Kunst sehe ich als Investition in die eigene Lebensqualität. Der Einzelne unterstreicht damit seine Individualität. Ganz wichtig ist, sein Auge zu schulen! Professionell geführte Galerien nehmen eine Vorselektion wahr. Beobachten Sie das Programm, stellen Sie Fragen. Und dann verlassen Sie sich auf Ihr Gespür, auf Ihre Intuition. Wählen Sie Arbeiten, die Sie herausfordern. Ich empfehle Originale, Unikate, vielleicht Zeichnungen für den Einstieg.

Wie beurteilen Sie den Markt für zeitgenössische Kunst in den nächsten fünf bis zehn Jahren? Ob sich da viel ändert? Es werden noch mehr Teilnehmer aus allen Kontinenten auf den Markt drängen, und «Anything goes» bleibt Parole. Vielleicht erklärt man bis dann die Malerei zum wiederholten Male für tot. Totgesagte leben länger! Was ich mir wünsche: Dass die trendige Beliebigkeit, die ich oft ausmache, wieder verschwindet.

Was zeigen Sie in Ihrer derzeitigen Ausstellung? Bis zum 6. März 2005 zeigen wir neue Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin Eliska Bartek und des aus Wien stammenden Malers und Musikers Wolfgang Seierl. Bartek erschafft ihre Gemälde in vielen unregelmässigen Schichten, die Aussage ist eruptiv und erdverbunden. Seierl ist eine Mehrfachbegabung; er setzt die verwendeten Materialien sparsam ein und nimmt die leere Fläche als Teil des Werkes auf. Er entführt uns in eine unbekannte, lichte Sphäre, in der Zeit nicht existiert.

Interview: Katrin Bachofen

Im Dorfzentrum Burgwies, Bonstetten ZH; bis 6. März 2005.