In den letzten Tagen sind Lobbyisten aus aller Welt in den USA vorstellig geworden, mit dem Ziel, das Schlimmste für ihre Länder abzuwenden. Ohne Erfolg, wie sich nun jedoch zeigt. Die Trump-Regierung hat den Zoll-Hammer ausgepackt: Für Schweizer Produkte gelten beim Export in die USA nun Zölle von 31 Prozent. Donald Trump (78) wirft der Schweiz vor, US-Produkte mit Zöllen von 61 Prozent zu belasten. Doch wie kommt der US-Präsident auf diese 61 Prozent? Schliesslich kennt die Schweiz seit Jahren keine Industriezölle mehr.
Erst ging man davon aus, dass die Zölle eine Währungsmanipulation durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) und auch die Mehrwertsteuer in der Schweiz enthalten können. Die Erklärung des Zolls könnte nun aber so banal sein, dass sie kaum zu glauben ist.
So soll die Trump-Regierung das Defizit im Warenhandel mit dem jeweiligen Handelspartner den US-Importen aus ebendiesem Land gegenübergestellt haben. Konkret: Die USA erzielen im Warenhandel mit der Schweiz ein Defizit von 38,5 Milliarden Franken. Der Güterexport der Schweiz in die USA beläuft sich auf 63,4 Milliarden Franken. Dividiert man diese 38,5 Milliarden durch 63,4 Milliarden ergibt das 60,7 Prozent – gerundet also 61 Prozent.
Trump stellt sich als gnädig dar
Stellt man die gleiche Rechnung für Japan an, kommt man auf 46 Prozent. Wenig überraschend wirft die USA Japan vor, US-Produkte mit Zöllen von 46 Prozent zu belasten. Deshalb hat Trump für Japan nun Zölle von 24 Prozent erhoben. «Gnädigerweise», wie er sagt. Eigentlich wäre eine viel stärkere Erhöhung der Zölle gerechtfertigt gewesen, wie Trump am Mittwoch erklärt hat.
Auch in weiteren Beispielen wie Indonesien oder Indien kommt man bei dieser Rechenart auf die nun eingeführten Zölle. Es zeichnet sich also immer mehr ab, dass die US-Regierung einfach alle Länder abstraft, die mehr Güter in die USA exportieren als sie von dort importieren. Dabei klammert die US-Regierung den Dienstleistungssektor mit grossen US-Techgiganten wie Meta oder Alphabet völlig aus. Die USA exportieren nämlich viel mehr Dienstleistungen in die Schweiz, als sie importieren.
Die Basiszölle von 10 Prozent traten bereits um 6 Uhr morgens (Schweizer Zeit) in Kraft. Die höheren Zölle gelten ab dem 9. April, wie Trump angekündigte.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick unter dem Titel «So hat Trump die 61 Prozent Zoll für die Schweiz berechnet».