2023 waren Sturmschäden die grossen Ausreisser – mit einer Schadensumme, die dreimal höher als der langfristige Durchschnitt lag. Bei Hagel und Überschwemmungen war 2021 das Ausreisserjahr, bei Erdrutsch und Steinschlag 2023. Wer die Statistiken der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) liest und sie mit den Zeitreihen zu den Auswirkungen des Klimawandels kombiniert, erkennt rasch steigendes Schadenpotenzial für die eigene Wohnimmobilie. Was bis vor kurzem als sicher erschien, sieht jetzt anders aus.
«In den letzten Jahren verzeichneten wir eine Zunahme bei den Wasserschäden, die je nach Schadenausmass hohe Reparaturkosten verursachen können», erklärt Cyril Beck, Experte für Haushaltsversicherungen der Mobiliar. «Weiter kommen Kosten für die Ortung des Lecks sowie allfällige Folgekosten wie beispielsweise durch Unbewohnbarkeit des Gebäudes hinzu, die das Ersparte stark belasten können.»
Die freiwillige Gebäudewasserversicherung deckt Schäden am Gebäude ab, welche etwa durch einen Leitungsbruch, Eindringen von Regen-, Schnee- und Schmelzwasser, Rückstau aus der Kanalisation oder Eindringen von Grund- und Hangwasser entstehen. Zudem würden unter anderem die Kosten für die Räumung und Entsorgung von Gebäudeüberresten und die Kosten für das Orten der Leckstelle sowie das Freilegen, Zumauern und Eindecken von reparierten Wasser- und Gasleitungen übernommen. «Schliesslich kümmert sich die Versicherung um die Koordination der Schadensbehebung und entlastet dadurch die Gebäudeeigentümerinnen», so Beck. Und je nach Ausbaustandard des Einfamilienhauses könnten auch weitere Zusatzdeckungen empfehlenswert sein, wie eine Glasbruch- oder eine Umgebungsversicherung, die Schäden an Gartenanlagen, Rasenflächen, Bäumen und Biotopen abdeckt.
Hypothek im Auge behalten
«Es gibt zahlreiche Versicherungen, auf die Immobilienbesitzer besser nicht verzichten», sagt Daniel Dreier, Versicherungsexperte bei Moneyland.ch. «Dies gilt noch stärker, wenn die Immobilie mit einer Hypothek belastet ist.» Selbst überschaubare Schäden wie Risse in Wänden oder im Fundament könnten eine grosse Auswirkung auf den Belehnungswert einer Immobilie haben. «Die Reduktion des Belehnungswertes kann dazu führen, dass die Hypothek zu hoch ausfällt, was im schlimmsten Fall zum Verlust der Hypothek und/oder des Zwangsverkaufs der Immobile führen kann», warnt Dreier. «Sinnvoll sind Versicherungen für Feuer- und Elementarschäden, dazu gehören auch Erdbebenversicherungen.»
Zusatzversicherungen für Solaranlagen, Glasbruch und Gebäudetechnik sind laut Dreier dann notwendig, wenn diese Anlagen einen beträchtlichen Einfluss auf den Immobilienwert haben, insbesondere wenn die Immobilie mit einer Hypothek belastet ist. Eine Gebäudehaftpflichtversicherung empfiehlt Dreier auch ganz allgemein.
Wertvolle Zusatzversicherungen
Neben der unumgänglichen Hausrat- und Privathaftpflichtversicherung benötige ein Eigenheimbesitzer für seine Eigentumswohnung, sein Haus oder seine Ferienwohnung zwingend eine Gebäudesachversicherung sowie eine Gebäudehaftpflichtversicherung, heisst es von der Helvetia. Zusätzlich zur Gebäudesachversicherung könne sich der Abschluss diverser Zusatzversicherungen wie die Erdbebenversicherung einer All-Risks-Police (Schutz vor zusätzlicher Beschädigung aller Art, wie zum Beispiel Bauunfälle, Vandalismus, Schäden durch Nagetiere, Insekten und Wildtiere et cetera) oder eine Zusatzversicherung der Gebäudeumgebung (Garten- oder Bootshäuser, Zufahrten, Gartenanlagen et cetera) lohnen.
Im Hinblick auf Erdbebenversicherungen lohnt es sich gemäss Helvetia-Sprecher Eric Zeller, den regionalen Versicherungsberater zu kontaktieren. «Der kennt lokale Wahrscheinlichkeiten und kann mit Blick auf statistische Werte und das betreffende Versicherungsgut am besten eine Empfehlung abgeben.»
In die Finanzplanung integrieren
Beim Gebäude sind laut Thierry Rudin, Produktmanager Privatkunden bei der Baloise, die Deckungen Feuer- und Elementarschäden, Erdbeben, Gebäudehaftpflicht, Wasser und Glasbruch in der Regel die wichtigsten für das Eigenheim. Für das persönliche Hab und Gut lohne sich eine Haushaltsversicherung (Hausrat und Privathaftpflicht), welche standardmässig Deckungen wie solche für Feuer- und Elementarschäden, Wasserschäden und Diebstahl sowie eine Privathaftpflicht beinhaltet. «Ebenso wichtig ist es, sich Gedanken zur finanziellen Absicherung zu machen», rät Rudin: «Gerade mit dem Erwerb oder Eigentum einer Wohnimmobilie ist eine generelle Finanzplanung empfehlenswert. So kann gewährleistet werden, dass auch bei Schicksalsschlägen der Erhalt des Wohneigentums möglich ist.» Eine Wohnimmobilie stelle bei den meisten Personen die grösste Investition im Leben dar: Eine Erdbebenzusatzdeckung sei deshalb unbedingt zu empfehlen.