Der Rundumschlag von US-Präsident Donald Trump (78) trifft die Schweiz besonders hart. Für die Eidgenossenschaft fallen Zölle in der Höhe von 32 Prozent an. Zum Vergleich: Auf EU-Waren werden künftig 20 Prozent erhoben. Einzig die Pharmabranche ist von den Zöllen ausgenommen. Sie ist aber die wichtigste Exportindustrie des Landes. Trumps Zollmauer trifft dennoch viele Schweizer Handelspartner und Unternehmen. Blick legt den Fokus auf einzelne Hersteller, deren Produkte in den USA beliebt sind und/oder nicht selbst in den USA hergestellt werden.
1. Nespresso - Kaffeekapseln für die Welt, aber nur in der Schweiz hergestellt
Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé mit einem Jahresumsatz von 91,3 Milliarden Franken und seine Tochter Nespresso (6,4 Milliarden) sind mit zahlreichen Produkten im US-Markt vertreten. Gut 95 Prozent von dem, was in den USA verkauft wird, stellt Nestlé dort auch her. Dagegen produziert Nespresso den Kapselkaffee ausschliesslich in der Schweiz. Das ist bitter, weil die US-Zölle den Import massiv verteuern, was sich schlussendlich auch teilweise auf die Ladenpreise auswirken wird. Die Expansion des Grosskapselsystems Vertuo in den USA könnte dadurch empfindlich getroffen werden. Prüft Nespresso nun eine Verlagerung der Produktion in die Staaten, um diese Zölle zu umgehen? «Kein Kommentar», sagt eine Nestlé-Sprecherin. Die Situation sei noch zu undurchsichtig.
2. Weleda - beliebte Kosmetik mit Wachstumsavancen in den USA
Zoll-Dämpfer auch für den Naturkosmetikkonzern Weleda. Bei der Bilanzmedienkonferenz am Mittwoch hoffte Weleda-Chefin Tina Müller (56) noch, dass Trumps Zollhammer die Kosmetikindustrie nicht so hart treffen würde. Die USA sind einer der wichtigsten Wachstumsmärkte für das Unternehmen, so Müller zu Blick. Die Supermarktkette Whole Foods und der Onlineriese Amazon haben ihre Beatyprodukte im Sortiment. CEO Müller prüft nun, Weleda-Produkte in den USA abfüllen zu lassen. So sollen die Zollauswirkungen für US-Konsumenten minimiert werden, die für Weleda-Produkte ohnehin tiefer in die Tasche greifen müssen als hierzulande. Eine eigene Weleda-Produktion ist in den USA gemäss Müller aber nicht in Planung.
3. Lindt + Sprüngli – begehrte Premium-Schoggi im Ami-Land
Der Zollkrieg mit den USA trifft den Zürcher Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli gemäss eigenen Angaben nur am Rande. 95 Prozent der Schokolade, die in den USA verkauft wird, wird auch dort produziert – je nach Saison schwankt der Wert minim. «Produkte aus Europa machen nur einen kleinen Teil unseres Gesamtvolumens in den USA aus», sagt ein Sprecher. In den USA betreibt der Schweizer Konzern fünf Produktionsstandorte. Lindt will zum US-Markt halten, seine Kundschaft weiterhin mit der begehrten und «hochwertigen Premium-Schokolade» versorgen. Ob Pläne zur Aufstockung der Produktion in den USA bestehen, gibt der Sprecher nicht preis.
4. Swatch Group – Zeitmesser werden für Amerikaner zu Luxus
Trumps Zollmauer dürfte die Uhrenhersteller besonders hart treffen. Entgegen den Erwartungen wurde ihre Branche nicht verschont. Darum brechen auch die Aktien der Schweizer Swatch Group an der Börse ein. Knapp ein Fünftel der Schweizer Uhrenexporte geht in die USA. Weil reiche Amerikaner weniger preissensibel sind, treffen die Preiserhöhungen aufgrund der Zölle weniger die Luxusuhren, umso mehr aber jene Zeitmesser tieferer Preislagen. Die Zürcher Kantonalbank schätzt, dass Uhrenhersteller die Preise ihrer Produkte in den USA um rund 11 bis 13 Prozent erhöhen werden. Swatch-Chef Nick Hayek gab sich bislang furchtlos. «Zölle für Produkte, die einmalig sind und die, die Leute haben wollen, sind kein Problem», sagte er im Januar 2025 zur Nachrichtenagentur AWP. Das habe die Vergangenheit gezeigt. Aktuell will sich Swatch nicht gegenüber Blick äussern.
5. Victorinox – Sackmesser nicht nur für die Armee
Das Exportland USA ist für den Sackmesser-Hersteller Victorinox sehr wichtig. «Die neuen US-Zolltarife treffen uns hart», sagt Victorinox-CEO Carl Elsener (67) zu Blick. Die USA seien für sein Schweizer Unternehmen der wichtigste Exportmarkt und machen über 20 Prozent des Auslandsumsatzes aus. «Zusammen mit unserer US-Niederlassung prüfen wir, in welchem Umfang Preisanpassungen möglich sind, ohne erhebliche Marktanteile zu verlieren.» Eine Verlagerung der Produktion – insbesondere des Kernprodukts, dem Swiss Army Knife – sei für Victorinox keine Option. «Diese Schweizer Ikone ist untrennbar mit dem Qualitätsversprechen ‹Made in Switzerland› verbunden. Daran halten wir fest», so Elsener.
6. On – USA sind wichtigster Verkaufsmarkt für Laufschuhfirma
Das tut weh! Trumps Zollschlag muss bei der Schweizer On recht eingeschlagen haben. Die USA sind wichtigster Verkaufsmarkt (60 Prozent des Gesamtumsatzes!) für die Laufschuhfirma. Zudem stammen die Schuhe fast ausschliesslich aus vietnamesischer Produktion – das Land hat ebenfalls einen herben Zollschlag kassiert, 46 Prozent. Eine On-Sprecherin: «Wir haben die angekündigten Zölle zur Kenntnis genommen und beobachten die sich entwickelnde Situation und die fortlaufenden politischen Veränderungen genau.» Schwacher Trost: Konkurrenten wie Nike lassen ebenfalls in Asien herstellen. Eine Produktionsverlagerung von Asien in die USA ist für Sportschuhhersteller kein Thema. Deren Aufbau würde 8 bis 10 Jahre benötigen, die US-Lohnkosten würden die Sportschuhe zudem massiv verteuern.
7. Halba-Schoggi - Coops US-Exporte schmecken den Amis
Der Grossverteiler Coop exportiert einzig Schokoladen der Marke Halba in die USA. «Hier trifft uns die Zoll-Ankündigung erheblich. Sie stellt eine ernsthafte Herausforderung für den Export dar», sagt ein Coop-Sprecher. Die Produktpreise dürften für die Amerikaner steigen. Eine Produktionsverlagerung in die USA sei aber kein Thema. Dennoch will Coop im US-Markt weiter wachsen: «Qualitativ hochstehende Schweizer Schokolade von Halba wird in Amerika sehr geschätzt», so der Sprecher.
8. Elsa-Käse – Migros hat ein geringeres Risiko
Coop-Konkurrentin Migros trifft der Zollhammer zum Beispiel beim Käse aus der Migros-Industrie von Elsa, der in die USA exportiert wird. «Die genauen Zollregelungen und mögliche Massnahmen für die Schweiz sind zurzeit noch unklar», sagt ein Migros-Sprecher. Klar sei: Als nationales Unternehmen ist die Migros gemäss eigenen Angaben nur «geringfügig» betroffen.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick unter dem Titel «So reagieren Schweizer Firmen auf Trumps Zollhammer».